Zuletzt aktualisiert: 10.10.2026
1971 kostete eine Feinunze Gold, das sind genau 31,1034768 Gramm, im Jahresschnitt 41 Dollar. 2025 waren es 3.442 Dollar, also mehr als das Achtzigfache. Trotzdem ist Gold keine Anlage, die einfach nur steigt: Es gab Jahrzehnte, in denen Goldbesitzer viel Geld verloren haben, und es zahlt weder Zinsen noch Dividenden. Warum kaufen dann Notenbanken, Anleger und Familien auf der ganzen Welt jedes Jahr Tausende Tonnen davon? Diese Seite erklärt, woher die Nachfrage kommt, wie sich der Goldpreis entwickelt hat, warum Gold als Beimischung in einem Depot Sinn haben kann, was es nicht kann und wie du es halten kannst.
Inhalt
Warum Gold auf der ganzen Welt gefragt ist
Gold begleitet die Menschen seit Jahrtausenden als Schmuck und als Geld, und daran hat sich bis heute wenig geändert. 2025 wurden weltweit erstmals mehr als 5.000 Tonnen Gold nachgefragt, im Wert von rund 555 Milliarden Dollar. Den größten Teil kauften Anleger in Form von Barren, Münzen und börsengehandelten Goldprodukten, zusammen rund 2.175 Tonnen. Gleich danach kommt Schmuck mit gut 1.540 Tonnen, vor allem in Indien und China, wo Goldschmuck seit Generationen auch als Familienvermögen gilt. Die Notenbanken, also die Zentralbanken der Staaten, kauften 863 Tonnen, und in der Technik, etwa in Handys und Computern, landeten rund 320 Tonnen.
Dass gerade Notenbanken so viel kaufen, hat einen einfachen Grund. Gold ist der einzige Vermögenswert, hinter dem kein Schuldner steht: Eine Anleihe ist nur so gut wie der Staat, der sie zurückzahlt, und eine Währung nur so stabil wie die Notenbank, die sie ausgibt. Gold dagegen kann nicht pleitegehen und nicht beliebig nachgedruckt werden. Seit 2022 kaufen die Notenbanken deshalb deutlich mehr als früher, jedes Jahr zwischen 860 und rund 1.100 Tonnen, während es von 2010 bis 2021 im Schnitt 473 Tonnen waren. Auch die Oesterreichische Nationalbank hält seit 2007 unverändert rund 280 Tonnen Gold als Sicherheitsreserve für Krisenzeiten, etwa die Hälfte davon lagert in Österreich.
Insgesamt wurden bisher rund 220.000 Tonnen Gold gefördert, zwei Drittel davon erst seit 1950. Würde man alles zu einem Würfel gießen, hätte er eine Seitenlänge von nur etwa 22 Metern. Jedes Jahr kommen aus den Bergwerken gut 3.600 Tonnen dazu, also nicht einmal 2 % des Bestands. Diese Knappheit ist ein wichtiger Teil dessen, warum Gold seinen Wert behält.

Der Goldpreis seit 1792: lange fix, seit 1971 frei
Lange Zeit hatte Gold gar keinen schwankenden Preis, denn das Geld selbst war an Gold gebunden. In den USA legte ein Gesetz 1792 fest, dass eine Feinunze Gold 19,39 Dollar wert ist, ab 1834 waren es 20,67 Dollar und ab 1934 35 Dollar. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses System im Abkommen von Bretton Woods zur Grundlage der Weltwährungen: Andere Notenbanken konnten ihre Dollar jederzeit zu 35 Dollar je Feinunze in Gold tauschen, und die Währungen der übrigen Länder hingen mit festen Kursen am Dollar.
Im August 1971 beendeten die USA diesen Umtausch, weil ihre Goldvorräte für die vielen Dollar im Ausland längst nicht mehr reichten, und 1973 endete mit den festen Wechselkursen das ganze System von Bretton Woods. Seither bildet sich der Goldpreis frei am Markt, und er ist seither ein Spiegel für Inflation, Zinsen und Krisen. In den Siebzigerjahren mit hoher Inflation und Ölkrisen stieg er im Jahresschnitt 1980 auf 608 Dollar. Danach folgten zwanzig magere Jahre bis zum Tiefpunkt von 271 Dollar im Jahr 2001. Mit der Finanzkrise 2008 und der Eurokrise ging es auf 1.569 Dollar im Jahr 2011, mit der Pandemie auf 1.770 Dollar 2020, und 2025 auf 3.442 Dollar. Im Februar 2026 erreichte der Monatsschnitt mit 5.020 Dollar einen neuen Rekord, im September 2026 lag er bei 4.319 Dollar.

Kein gerader Weg nach oben
Die Kurve sieht im Rückblick beeindruckend aus, aber sie verdeckt, wie lange Goldbesitzer manchmal warten mussten. Wer 1980 auf dem Höhepunkt kaufte, sah den Preis zwanzig Jahre lang fallen. Rechnet man die Inflation heraus, war Gold 2001 um rund 62 % weniger wert als 1980, und erst 2009, also fast dreißig Jahre später, war der alte Wert wieder erreicht. Auch nach 2011 ging es bergab: Vom Monatsschnitt im September 2011 mit 1.772 Dollar fiel der Preis bis Dezember 2015 auf 1.076 Dollar, das sind rund 39 % weniger. Und selbst seit dem Rekord im Februar 2026 hat Gold bis September schon 14 % verloren.
Gold schwankt also kräftig, und es ist kein sicherer Hafen in dem Sinn, dass der Wert nie fällt. Sicher ist es in einem anderen Sinn: Es kann nicht auf null fallen wie die Aktie eines Unternehmens, das in Konkurs geht. Wer Gold kauft, muss sich bewusst sein, dass er unter Umständen sehr lange Geduld braucht.

Warum Gold ins Depot passen kann
Der wichtigste Grund für Gold im Depot ist nicht die Hoffnung auf hohe Gewinne, sondern dass Gold sich anders verhält als Aktien. Aktienkurse hängen an den Gewinnen der Unternehmen, und in einer Wirtschaftskrise brechen sie oft gemeinsam ein. Gold hängt an anderen Dingen: an Angst, an Inflation, an Zinsen und an den Käufen der Notenbanken. Im Krisenjahr 2008 verlor der Weltaktienindex MSCI World rund 40 %. Auch Gold fiel zwischendurch, vom Monatsschnitt im März bis November um gut 20 %, lag am Jahresende aber trotzdem leicht im Plus.
Genau diese Eigenschaft nutzt die Streuung: Wenn nicht alle Teile eines Depots gleichzeitig fallen, fällt das ganze Depot weniger tief. Ein Rechenbeispiel mit runden Beispielwerten: Ein Depot über 10.000 € steckt ganz in einem Aktien-ETF, ein zweites zu 9.000 € in Aktien und zu 1.000 € in Gold. In einem Crashjahr fallen die Aktien um 40 % und Gold steigt um 5 %. Das erste Depot ist danach 6.000 € wert. Das zweite hat 5.400 € in Aktien und 1.050 € in Gold, zusammen 6.450 €. Der Preis dafür zeigt sich in guten Jahren: Steigen die Aktien um 20 % und Gold bleibt gleich, kommt das erste Depot auf 12.000 €, das zweite nur auf 11.800 €. Gold ist also wie ein Stoßdämpfer, der die Schläge mildert, aber auch ein wenig Tempo kostet.

Was Gold nicht kann
Eine Aktie zahlt Dividende, eine Anleihe zahlt Zinsen, eine Wohnung bringt Miete. Gold bringt nichts davon. Es liegt einfach da, und wer damit Geld verdienen will, kann das nur über einen höheren Preis beim Verkauf. Dazu eine klare Meinung: Wer ein Depot aufbaut, das laufend Erträge bringen soll, kommt ohne Gold aus, denn ein Barren arbeitet nicht und wächst nicht mit, wie es ein Unternehmen mit seinen Gewinnen tut. Wer Gold beimischen will, kauft damit Ruhe für schlechte Zeiten und keinen Ertrag, und das ist eine bewusste Entscheidung, die man nachvollziehen kann.
Zwei weitere Punkte gehören dazu. Gold wird weltweit in Dollar gehandelt. Für dich in Österreich zählt aber der Preis in Euro, und der hängt auch vom Wechselkurs ab: Steigt der Euro gegenüber dem Dollar, kann der Goldpreis in Euro fallen, obwohl er in Dollar gleich bleibt. Und Gold kostet beim Kaufen und Halten etwas. Händler kaufen Barren und Münzen billiger zurück, als sie sie verkaufen, bei kleinen Stückelungen ist dieser Unterschied besonders groß, und ein Banksafe oder die laufenden Kosten eines Börsenprodukts kommen jedes Jahr dazu.

Wie du Gold hältst und warum das vom Anlageziel abhängt
Es gibt zwei gängige Wege. Der erste ist physisches Gold: Barren mit mindestens 99,5 % Feingehalt oder Anlagemünzen wie der Wiener Philharmoniker. Solches Anlagegold ist in der ganzen EU von der Umsatzsteuer befreit. Gewinne beim Verkauf sind steuerfrei, wenn du das Gold länger als ein Jahr hattest. Verkaufst du früher, zählt der Gewinn zu deinem Einkommen und wird mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, sofern alle solchen Gewinne im Jahr zusammen mehr als 440 € ausmachen. Dafür musst du dich um die Aufbewahrung kümmern, zu Hause oder in einem Bankschließfach.
Der zweite Weg ist ein Gold-ETC, ein Wertpapier, das den Goldpreis abbildet, meist mit echtem Gold im Lager des Anbieters hinterlegt. Du kaufst es wie eine Aktie über dein Wertpapierdepot, musst nichts lagern und kannst jederzeit zum Börsenkurs verkaufen. Dafür gibt es keine Steuerfreiheit nach einem Jahr: Gewinne aus einem ETC unterliegen in Österreich immer der Kapitalertragsteuer von 27,5 %, und dazu kommen jährliche Kosten des Anbieters. Aktien von Goldminen sind übrigens keine Goldanlage, sondern Unternehmen mit eigenen Risiken, deren Kurse viel stärker schwanken als der Goldpreis.
Welcher Weg passt, hängt davon ab, welches Ziel du mit dem Gold verfolgst. Wer Gold als eiserne Reserve für den schlimmsten Fall will, unabhängig von Banken und Börsen, braucht es physisch in der Hand. Wer dagegen sein Depot streuen und regelmäßig wieder ins Gleichgewicht bringen will, ist mit einem ETC besser bedient, denn er kann ihn mit einem Klick zukaufen oder verkaufen, ohne zum Händler zu gehen.

Wie viel Gold ins Depot gehört
Eine gängige Faustregel lautet, 5 bis 10 % eines Depots in Gold zu halten. So viel, dass es in einer Krise spürbar dämpft, und so wenig, dass der fehlende Ertrag auf lange Sicht nicht zu sehr bremst. Wer sich daran hält, bringt das Depot am besten einmal im Jahr wieder auf diesen Anteil: Ist Gold stark gestiegen, wird ein Teil verkauft und in Aktien umgeschichtet, ist es gefallen, wird nachgekauft. So kauft man automatisch billig und verkauft teuer, ohne den richtigen Zeitpunkt erraten zu müssen.
Die Faustregel ist aber nur ein Anhaltspunkt. Letztendlich muss sich jeder selbst fragen, wie sein Depot aussehen soll und welchen Zweck es erfüllt. Wer vor allem laufende Erträge sucht, braucht kein Gold. Wer schlecht schläft, wenn das Depot in einem Crash um 40 % fällt, ist mit einer Beimischung gut beraten. Jede Lage ist anders, und beides ist eine vernünftige Entscheidung, solange sie bewusst getroffen wird.
Der Rat zum Schluss: Kauf Gold nicht, weil der Preis gerade Rekorde schreibt, sondern nur, wenn du weißt, welche Aufgabe es in deinem Depot hat. Dann bleib bei deinem Anteil und lass dich von den Schwankungen nicht aus der Ruhe bringen.

Quellen: World Gold Council – Gold Demand Trends Gesamtjahr 2025, World Gold Council – Bestand an gefördertem Gold, OeNB – Goldreserven, Weltbank – Rohstoffpreise (Pink Sheet), Monats- und Jahresdurchschnitte, RIS – Einkommensteuergesetz, Spekulationsgeschäfte, Gold & Co. – Gold steuerfrei kaufen, Jagersberger – Gold- und Silberinvestments besteuern. Stand: Oktober 2026.

Weiterlesen: Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden, Geld bringt es nur über einen höheren Preis beim Verkauf. Dasselbe gilt für Kryptowährungen wie Bitcoin. Dort steht, was Bitcoin und Co. sind und welche Risiken dazugehören.
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