Zuletzt aktualisiert: 17.10.2026
Im S&P 500 stecken rund 500 Unternehmen, aber die zehn größten machen zusammen fast 40 Prozent des Index aus. Fallen nur diese zehn Aktien um 10 Prozent, sinkt der ganze Index schon um 4 Prozent, auch wenn sich bei den übrigen 490 Unternehmen nichts tut. Börsenindizes sind die Zahlen, an denen die Welt jeden Tag abliest, wie es den Börsen und der Weltwirtschaft geht. Auf dieser Seite erfährst du, was ein Aktienindex ist, wie er berechnet wird, welche Börsenindizes wichtig sind, warum Asien bei Kurseinbrüchen zuerst reagiert und warum trotzdem alle auf den amerikanischen Markt warten.
Inhalt
Was ein Aktienindex ist
Ein Aktienindex fasst viele Aktien in einer einzigen Zahl zusammen. Er zeigt, wie sich die Kurse einer bestimmten Gruppe von Aktien entwickeln, etwa der größten Unternehmen eines Landes, einer Region oder einer Branche. Steigt der Index, sind die enthaltenen Aktien im Schnitt mehr wert geworden, fällt er, haben sie an Wert verloren. Börsenindizes sind damit so etwas wie ein Fieberthermometer: Sie sagen in Sekunden, wie die Stimmung an einem Markt ist, ohne dass du hunderte Kurse einzeln ansehen musst.

Jeder Index hat einen Anbieter, der festlegt, welche Aktien hinein kommen, wie oft das überprüft wird und wie gerechnet wird. Wichtig ist der Unterschied zwischen Kursindex und Performanceindex. Ein Kursindex zeigt nur die Kursänderungen, ein Performanceindex rechnet auch die Dividenden ein, so als würden sie wieder angelegt. Wie groß dieser Unterschied über Jahrzehnte ist, zeigt die Seite über den ATX, den Leitindex der Wiener Börse.
Wie ein Index berechnet wird
Die meisten Börsenindizes sind nach dem Börsenwert gewichtet, also nach der Marktkapitalisierung. Ein Unternehmen, das an der Börse doppelt so viel wert ist wie ein anderes, zählt im Index auch doppelt so viel. Meist wird nur der Streubesitz gezählt, also die Aktien, die frei gehandelt werden. Einige alte Indizes rechnen anders: Der Dow Jones und der japanische Nikkei 225 sind nach dem Aktienkurs gewichtet, dort zählt eine Aktie mit hohem Kurs mehr, egal wie groß das Unternehmen ist. Daneben gibt es gleichgewichtete Indizes, in denen jede Aktie gleich viel zählt.

Die Gewichtung nach Börsenwert hat eine Folge: Die größten Unternehmen bestimmen die Richtung. Beispielwerte: Machen die zehn größten Aktien 40 Prozent eines Index aus und fallen sie um 10 Prozent, dann sinkt der Index um 4 Prozent. Steigen dagegen die 490 kleineren Werte um 2 Prozent, bringt das nur 1,2 Prozent nach oben, denn sie stehen zusammen nur für 60 Prozent. Unter dem Strich zeigt der Index ein Minus von 2,8 Prozent, obwohl die meisten Aktien gestiegen sind.
Die wichtigsten Börsenindizes der Welt
In den USA sind drei Indizes am bekanntesten. Der S&P 500 umfasst rund 500 der größten amerikanischen Unternehmen und gilt als Maßstab für den US-Aktienmarkt. Der Dow Jones, genau Dow Jones Industrial Average, ist der älteste, er wird seit 1896 berechnet und enthält nur 30 große Unternehmen. Der Nasdaq Composite enthält alle Aktien der Technologiebörse Nasdaq, der Nasdaq 100 die 100 größten davon ohne Banken und Versicherungen, und er wird stark von Technologiekonzernen geprägt.

In Europa ist der DAX der Leitindex der Deutschen Börse mit 40 Unternehmen, und anders als viele andere ist er ein Performanceindex. Der Euro Stoxx 50 fasst die 50 größten Unternehmen des Euroraums zusammen, und in Österreich ist es der ATX mit 20 Werten. In Asien sind der japanische Nikkei 225 mit 225 Aktien und der Hang Seng der Börse Hongkong die bekanntesten. Über allen steht der MSCI World: Er enthält rund 1.250 Unternehmen aus 23 Industrieländern, darunter auch Österreich, und wird von vielen als Maßstab für die Aktienmärkte der Welt verwendet. Schwellenländer wie China oder Indien enthält er nicht, dafür gibt es eigene Indizes.
Der S&P 500 und sein Klumpenrisiko
Unter allen Börsenindizes ist der S&P 500 besonders hervorzuheben. Er bildet den größten Aktienmarkt der Welt ab, und an ihm orientieren sich Anleger, Fondsmanager und Notenbanken weltweit. Wer wissen will, wie es den großen Unternehmen und damit einem großen Teil der Weltwirtschaft geht, kann am S&P 500 viel ablesen.

Allerdings trägt er derzeit ein großes Klumpenrisiko. Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn sich viel Geld auf wenige Positionen konzentriert. Im S&P 500 machen die zehn größten Unternehmen zusammen fast 40 Prozent aus, so viel wie seit den 1960er-Jahren nicht mehr, und die meisten davon sind Technologiekonzerne. Geht es diesen wenigen Unternehmen schlecht, zieht das den ganzen Index nach unten, auch wenn der Rest der amerikanischen Wirtschaft gut läuft. Trotzdem bleibt der S&P 500 ein guter Gradmesser, du musst nur wissen, dass er stärker von wenigen Namen abhängt, als die Zahl 500 vermuten lässt.
Ein Börsentag rund um die Welt
Weil die Börsen in verschiedenen Zeitzonen liegen, wandert der Handel jeden Tag einmal um die Welt. Er beginnt in Asien: Tokio öffnet, wenn es in Österreich ein Uhr nachts ist, im Sommer zwei Uhr, kurz danach folgen Hongkong und Schanghai. Um 9 Uhr beginnen Wien, Frankfurt und die anderen europäischen Börsen, und um 15.30 Uhr unserer Zeit öffnet New York, wo bis 22 Uhr gehandelt wird.

Deshalb reagieren bei Kurseinbrüchen die asiatischen Börsen zuerst, weil sie als erste aufsperren, zum Beispiel nach einem Wochenende, an dem schlechte Nachrichten bekannt wurden. Ein Beispiel: Am Montag, dem 5. August 2024, verlor der Nikkei 225 nach einem schwachen Freitag an der Wall Street an einem einzigen Tag 4.451 Punkte oder rund 12 Prozent, so viel wie nie zuvor in Punkten. Europa fiel am Vormittag ebenfalls, und am Nachmittag schaute die ganze Welt auf die Eröffnung in New York.
Warum alle auf Amerika warten
Auch wenn Asien zuerst reagiert, wartet man immer gespannt auf den amerikanischen Markt, denn dort sind ganz einfach die Summen, die den Markt bewegen. Im MSCI World entfallen fast 73 Prozent auf Unternehmen aus den USA, Japan folgt mit knapp 6 Prozent, alle anderen Länder liegen darunter. Die größten Fonds, die meisten Pensionsgelder und die wertvollsten Unternehmen der Welt sind dort zu Hause. Wie die Wall Street einen Tag beendet, gibt deshalb oft die Richtung für Asien und Europa am nächsten Tag vor.

Für Anleger heißt das: Ein MSCI World ETF ist ein Fonds, der diesen Index nachbildet, und wer ihn kauft, hat zu fast drei Vierteln amerikanische Aktien im Depot, auch wenn der Name nach Weltstreuung klingt. Die zehn größten Unternehmen im MSCI World machen zusammen 28 Prozent aus, und es sind dieselben Konzerne, die auch den S&P 500 prägen. Was ein ETF ist und wie du einsteigst, steht auf der Seite über den ETF.
Was Börsenindizes für dich als Anleger bedeuten
Börsenindizes sind Messlatten. Sie zeigen, wie sich ein Markt entwickelt, und sie sind die Grundlage für ETF, mit denen du einen ganzen Index mit einem einzigen Wertpapier kaufen kannst. Wer wissen will, ob seine eigenen Aktien gut gelaufen sind, vergleicht sie am besten mit dem passenden Index, und zwar mit der Variante, die Dividenden einrechnet.

Ein einzelner schwarzer Tag an der Börse ist kein Grund zum Verkaufen, denn breit gestreute Indizes wie der MSCI World haben sich bisher von jedem großen Einbruch erholt, wenn auch manchmal erst nach Jahren, und wer mit einem Sparplan regelmäßig kauft, bekommt in solchen Phasen sogar mehr Anteile für sein Geld. Wer nur auf einen einzigen Index setzt, muss sich bewusst sein, dass er damit auch dessen Klumpenrisiko kauft, beim S&P 500 die großen Technologiekonzerne, beim MSCI World die USA.
Der Rat zum Schluss: Verfolge den S&P 500, den DAX und den MSCI World als Fieberthermometer der Weltwirtschaft, aber triff deine Entscheidungen nicht nach einem einzelnen Börsentag, sondern lege langfristig und breit gestreut an und schau dir vorher an, welche Länder und Unternehmen in deinem Index wie stark gewichtet sind.
Quellen: S&P Dow Jones Indices: S&P 500; S&P Global: In the shadows of giants; MSCI: MSCI World Index Factsheet (Stand 30. September 2026); Nikkei Indexes: Records in Nikkei 225; Wiener Börse: ATX Indexbeschreibung. Stand: Oktober 2026.

Weiterlesen: Der S&P 500, der DAX und der MSCI World zeigen wie ein Fieberthermometer, wie es der Weltwirtschaft geht. Woher die Schwankungen der Wirtschaft selbst kommen, erklärt die Seite über Wirtschaftswachstum und Konjunktur. Dort steht, wie die Wirtschaft wächst und warum sie schwankt.
Hinweis: Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick und ist keine Anlageberatung. Gewichtungen in Indizes ändern sich laufend; vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für die Zukunft. Das Rechenbeispiel verwendet Beispielwerte.


