Zuletzt aktualisiert: 17.10.2026
Wer am 2. Jänner 1991 10.000 Euro in die Aktien des ATX gesteckt hätte, hätte Ende 2025 nach dem Kursindex 53.160 Euro gehabt, mit allen Dividenden aber 131.762 Euro. Der ATX, der Austrian Traded Index, ist der Leitindex der Wiener Börse und zeigt, wie sich die größten österreichischen Aktiengesellschaften an der Börse entwickeln. Auf dieser Seite erfährst du, wie der ATX aufgebaut ist, wie er sich seit 1991 entwickelt hat, welche Varianten es gibt, welche Unternehmen er abbildet, wie oft sie ausgetauscht werden und was der ATX über die Wirtschaft in Österreich aussagt.
Inhalt
Was der ATX ist
Der ATX fasst die 20 wichtigsten Aktien der Wiener Börse in einer einzigen Zahl zusammen. Er startete am 2. Jänner 1991 mit 1.000 Punkten, und jede Veränderung seither zeigt, wie sich die Kurse dieser Aktien zusammen entwickelt haben. Aufgenommen werden nur Aktien aus dem prime market, dem Marktsegment der Wiener Börse mit den strengsten Pflichten für Transparenz und Berichterstattung, und grundsätzlich nur Unternehmen mit Sitz in Österreich.

Nicht jede Aktie zählt gleich viel. Der ATX ist nach dem Streubesitz gewichtet, also nach dem Wert jener Aktien, die tatsächlich an der Börse gehandelt werden und nicht fest in der Hand eines Großaktionärs sind. Damit ein einzelnes Unternehmen den Index nicht beherrscht, darf keine Aktie mehr als 20 Prozent ausmachen. Der ATX wird während der Handelszeit laufend in Echtzeit berechnet. Wer den ATX heute nachsehen will, findet den aktuellen Stand auf der Website der Wiener Börse. Diese Seite erklärt dagegen, was hinter der Zahl steckt.
Die Geschichte des ATX seit 1991
Der Start war holprig. Nach einem ersten Hoch im Frühjahr 1991 fiel der ATX bis August 1992 um 46 Prozent auf 683 Punkte, deutlich unter seinen Startwert. Auch die 1990er-Jahre blieben zäh: 1998 brach der Index rund um die Russlandkrise innerhalb weniger Monate um 40 Prozent ein, und Ende 2002 stand er mit 1.150 Punkten kaum höher als elf Jahre zuvor.

Dann begann der große Aufschwung. Österreichische Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen wuchsen nach der EU-Erweiterung kräftig in Osteuropa, und der ATX vervierfachte sich bis zum 9. Juli 2007 auf 4.981,87 Punkte. Die Finanzkrise traf ihn dafür umso härter: Bis März 2009 verlor er 72 Prozent und fiel auf 1.412 Punkte. Danach folgten Erholung und Rückschläge im Wechsel, etwa in der Eurokrise 2011, beim Corona-Einbruch 2020 mit fast 50 Prozent Minus in zehn Wochen und 2022 nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Erst im November 2025, mehr als 18 Jahre später, übertraf der ATX seinen Höchststand von 2007.
Diese Geschichte zeigt zweierlei: Der ATX schwankt stärker als breite internationale Indizes, weil er nur 20 Unternehmen aus wenigen Branchen enthält. Und wer nur auf den Kursindex schaut, unterschätzt, was österreichische Aktien tatsächlich gebracht haben. Wie Risiko und Ertrag zusammenhängen, steht auf der Seite über Rendite und Risiko.
ATX und ATX Total Return: der Unterschied durch Dividenden
Der ATX ist ein Kursindex. Er zeigt nur, wie sich die Aktienkurse verändern. Zahlt ein Unternehmen eine Dividende, sinkt sein Kurs um diesen Betrag, und im ATX sieht es so aus, als wäre Wert verloren gegangen. Tatsächlich ist das Geld aber beim Aktionär angekommen. Deshalb gibt es den ATX Total Return, kurz ATX TR. Er hat dieselben 20 Aktien, rechnet aber die Dividenden so ein, als wären sie sofort wieder angelegt worden. Die Wiener Börse berechnet ihn seit 2008 und hat ihn bis 1991 zurückgerechnet. Daneben gibt es den ATX Net Total Return, der nur die Dividenden nach Abzug der Steuern einrechnet.

Der Unterschied ist groß. Beispielwerte mit den Indexständen der Wiener Börse: 10.000 Euro Anfang 1991 wären nach dem Kursindex bis Ende 2025 auf 53.160 Euro gewachsen, das sind 4,9 Prozent im Jahr. Mit wieder angelegten Dividenden waren es 131.762 Euro oder 7,7 Prozent im Jahr. Der ATX TR hat seinen Höchststand von 2007 schon im Mai 2021 wieder übertroffen, viereinhalb Jahre früher als der Kursindex. Wie viel aus einem Betrag über Jahrzehnte werden kann, rechnest du mit dem Zinseszinsrechner nach, und wie Ausschüttungen funktionieren, steht auf der Seite über die Dividende.
Die Indexfamilie der Wiener Börse
Rund um den ATX berechnet die Wiener Börse eine ganze Familie von Indizes. Der ATX five enthält nur die fünf Aktien mit dem höchsten Gewicht im ATX und startete 2004 mit 1.000 Punkten. Der Wiener Börse ATX Prime umfasst alle Aktien des prime market, also mehr als die 20 des ATX, und wird seit 2002 berechnet. Der Immobilien-ATX, kurz IATX, bildet seit 1996 die Immobilienaktien ab, und seit Ende 2009 gibt es eigene ATX-Branchenindizes, etwa für Finanzwerte oder Industrie. Dazu kommen Indizes für Dividendentitel und Indizes, auf die sich strukturierte Produkte beziehen.

Der älteste Index der Börse Wien ist der Wiener Börse Index, kurz WBI. Er umfasst alle Aktien im Amtlichen Handel, beginnt Ende 1967 mit 100 Punkten und wird einmal am Tag nach Handelsschluss berechnet. Für den Überblick über den österreichischen Aktienmarkt hat sich aber der ATX durchgesetzt, weil er laufend berechnet wird und nur gut handelbare Aktien enthält.
Welche Unternehmen der ATX abbildet
Im ATX stehen die größten und meistgehandelten Aktiengesellschaften Österreichs. Die Zusammensetzung ändert sich, aber das Bild bleibt ähnlich: Banken und Versicherungen machen den größten Teil aus, dazu kommen Öl und Gas, Industrie und Maschinenbau, Stahl und Metalle, Baukonzerne und Energieversorger. Im September 2026 entfielen allein 44 Prozent des ATX auf Banken. Seit dem Start 1991 durchgehend im ATX sind nur drei Unternehmen: der Öl- und Gaskonzern OMV, der Stromerzeuger Verbund und der Ziegelhersteller Wienerberger.

Viele bekannte Namen findest du dort, etwa die großen Banken, die Versicherungsgruppen, den Stahlkonzern voestalpine, den Anlagenbauer Andritz oder die Österreichische Post. Ein Beispiel für ein Unternehmen aus dem ATX, das seit Jahren Dividenden zahlt, beschreibt der Beitrag über die EVN-Aktie. Was eine Aktie grundsätzlich ist und welche Risiken sie hat, steht auf der Seite über die Aktie.
Wie oft die Unternehmen ausgetauscht werden
Wer im ATX ist, wird zweimal im Jahr überprüft, im März und im September. Für die Aufnahme muss eine Aktie zwei Bedingungen erfüllen: Sie muss zu den 25 meistgehandelten Aktien des prime market gehören und zu den 25 Aktien mit dem höchsten Wert im Streubesitz. Gemessen werden die zwölf Monate bis Ende Februar oder Ende August. Ein Indexkomitee entscheidet, und die Änderungen werden am dritten Freitag im März oder September nach Handelsschluss umgesetzt.

Ausgetauscht werden meist nur ein oder zwei Unternehmen, oft gar keines. Dazu kommen Änderungen außerhalb dieser Termine, wenn ein Unternehmen übernommen wird oder die Börse verlässt. Dann rückt die nächstgereihte Aktie nach, damit der ATX wieder 20 Werte hat. Ein Beispiel: Im September 2026 kehrte der Kartonhersteller Mayr-Melnhof nach einem Jahr in den ATX zurück und ersetzte den Ölfeldausrüster SBO. Die Gewichte der einzelnen Aktien passt die Wiener Börse außerdem jedes Vierteljahr an.
Was der ATX über die Wirtschaft in Österreich spiegelt
Der ATX ist kein Abbild der österreichischen Wirtschaft. Den Großteil der Wirtschaftsleistung erbringen Dienstleister, der Handel, der Tourismus und viele Familienbetriebe, und die meisten dieser Unternehmen sind nicht an der Börse. Im ATX stehen dagegen Banken, Industrie, Energie und Bau, also kapitalintensive Branchen, die stark von Konjunktur, Zinsen und Rohstoffpreisen abhängen. Technologieunternehmen, die anderswo die großen Indizes prägen, gibt es kaum.

Dazu kommt: Viele ATX-Unternehmen verdienen ihr Geld zu einem großen Teil im Ausland. Die Banken sind in Mittel- und Osteuropa tätig, die Industrie exportiert in die ganze Welt. Der ATX zeigt also weniger, wie es Österreich geht, sondern eher, wie es den international tätigen österreichischen Konzernen und der Region Mittel- und Osteuropa geht. Wie die heimische Wirtschaft aufgebaut ist, steht auf der Seite Österreichs Wirtschaft, wohin Österreich exportiert, auf der Seite über Exporte und Außenhandel.
Wer nur auf den ATX setzt, setzt auf 20 Unternehmen und zu fast der Hälfte auf Banken, das ist keine breite Streuung. Als Beimischung zu einem weltweit gestreuten Depot, etwa über einen ETF, kann er aber sinnvoll sein, denn er bringt Unternehmen mit hohen Dividenden und einen Bezug zur eigenen Region.
Der Rat zum Schluss: Vergleiche die Wertentwicklung österreichischer Aktien immer mit dem ATX Total Return und nicht mit dem Kursindex, schau nach jeder Überprüfung im März und September, welche Unternehmen gewechselt haben, und nutze den ATX als Ergänzung zu einer weltweiten Streuung, nicht als Ersatz dafür.
Quellen: Wiener Börse: ATX Indexbeschreibung, ATX TR Indexbeschreibung, Richtlinien für die österreichischen Indizes, historische Daten ATX, 35 Jahre ATX und Indexänderungen September 2026. Stand: Oktober 2026.

Weiterlesen: Im ATX stehen die größten und meistgehandelten Aktiengesellschaften Österreichs. Wie es einem einzelnen dieser Unternehmen wirklich geht, zeigt seine Bilanz. Dort steht, wo du sie findest und was die Zahlen über ein Unternehmen sagen.
Hinweis: Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick und ist keine Anlageberatung. Vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für die Zukunft. Das Rechenbeispiel verwendet die Indexstände der Wiener Börse ohne Kosten und Steuern.


