Aktienurkunde mit kleiner Fabrik, Goldmünze und steigendem orangem Pfeil, darüber das Wort AKTIE

Die Aktie: Was sie ist, wie sie Geld bringt und welche Risiken sie hat

Zuletzt aktualisiert: 10.10.2026

Nicht einmal jeder fünfte Mensch in Österreich besitzt Aktien. Bei einer Befragung im Jänner 2026 waren es 18 % der Bevölkerung ab 16 Jahren. Viele halten die Aktie für ein Glücksspiel, andere für den schnellen Weg zum Reichtum, und beides stimmt nicht. Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen, und wer sie besitzt, ist an dessen Gewinn beteiligt. Diese Seite erklärt, was du mit einer Aktie kaufst, welche Rechte du damit hast, wie sie Geld bringt, wie ihr Kurs entsteht, welche Risiken es gibt und wie du deine erste Aktie kaufst.

Was eine Aktie ist

Jedes Unternehmen braucht Geld, um zu wachsen, etwa für eine neue Halle, neue Maschinen oder neue Mitarbeiter. Dafür gibt es zwei Wege. Das Unternehmen nimmt einen Kredit auf, dann muss es das Geld mit Zinsen zurückzahlen, egal ob die Geschäfte gut oder schlecht laufen. Oder es holt sich neue Miteigentümer, die Geld einbringen und dafür einen Anteil am Unternehmen bekommen. Dieser Anteil ist die Aktie. Das Geld der Aktionäre heißt Eigenkapital, weil es dem Unternehmen gehört und nicht zurückgezahlt werden muss.

Ein Unternehmen, das Aktien ausgibt, ist eine Aktiengesellschaft, abgekürzt AG. Ihr Grundkapital muss in Österreich mindestens 70.000 Euro betragen und ist in viele gleich große Teile aufgeteilt. Wer eine Aktie kauft, besitzt also einen kleinen Bruchteil des ganzen Unternehmens, mit allem, was dazugehört: den Fabriken, den Marken, den Kunden und eben auch dem Gewinn.

Dabei ist eines wichtig zu verstehen: Frisches Geld bekommt das Unternehmen nur, wenn es neue Aktien ausgibt, zum Beispiel beim Börsengang. Danach werden die Aktien an der Börse zwischen Anlegern gehandelt. Wer heute eine Aktie an der Börse kauft, zahlt das Geld also nicht an das Unternehmen, sondern an einen anderen Anleger, der seine Aktie verkauft.

Wohin das Geld fließt: Bei der Ausgabe neuer Aktien, zum Beispiel beim Börsengang, zahlt der Anleger an das Unternehmen und bekommt neue Aktien, das Geld landet im Unternehmen. Beim Handel an der Börse zahlt der Käufer an den Verkäufer und bekommt eine bestehende Aktie, das Unternehmen bekommt nichts davon.

Deine Rechte als Aktionär

Als Miteigentümer hast du Rechte. Das wichtigste ist das Stimmrecht in der Hauptversammlung, der jährlichen Versammlung aller Aktionäre. Dort wird unter anderem beschlossen, wie viel vom Gewinn ausgeschüttet wird, und du darfst dort Fragen an den Vorstand stellen. Wie viel deine Stimme zählt, hängt davon ab, wie viele Aktien du besitzt. Mit ein paar Aktien bestimmst du die Geschicke eines großen Konzerns also nicht mit, aber das Recht dazu hast du.

Dazu kommt das Recht auf einen Anteil am Gewinn, die Dividende, wenn die Hauptversammlung eine Ausschüttung beschließt. Und wenn das Unternehmen später neue Aktien ausgibt, hast du grundsätzlich ein Bezugsrecht. Du darfst also zuerst neue Aktien kaufen, damit dein Anteil am Unternehmen nicht kleiner wird.

Neben den gewöhnlichen Aktien, den Stammaktien, gibt es Vorzugsaktien. Sie bringen einen Vorrang bei der Dividende, dafür fehlt ihnen meist das Stimmrecht. In Österreich dürfen solche Vorzugsaktien höchstens ein Drittel des Grundkapitals ausmachen. Und noch etwas ist wichtig: Als Aktionär haftest du nicht für die Schulden des Unternehmens. Mehr als das Geld, das du für die Aktie bezahlt hast, kannst du nicht verlieren.

Deine Rechte als Aktionär: Stimmrecht, mitbestimmen in der Hauptversammlung. Auskunft, Fragen an den Vorstand in der Hauptversammlung. Dividende, Anteil am Gewinn, wenn ausgeschüttet wird. Bezugsrecht, zuerst kaufen, wenn neue Aktien kommen. Keine Haftung, Verlust höchstens in Höhe des Kaufpreises.

Wie Aktien Geld bringen

Mit einer Aktie verdienst du auf zwei Arten Geld. Die erste ist die Dividende, also der Teil des Gewinns, den das Unternehmen an seine Aktionäre ausschüttet. Nicht jedes Unternehmen schüttet etwas aus, manche stecken den ganzen Gewinn wieder ins eigene Wachstum. Die zweite Art ist der Kursgewinn: Steigt der Wert des Unternehmens, steigt auf Dauer auch der Preis der Aktie, und wer sie teurer verkauft, als er sie gekauft hat, macht einen Gewinn.

Ein Rechenbeispiel mit Beispielwerten: Du kaufst 20 Aktien zu je 50 Euro, also um 1.000 Euro. Das Unternehmen schüttet eine Dividende von 2 Euro je Aktie aus, das sind 40 Euro. Davon gehen 27,5 % Kapitalertragsteuer (KESt) weg, also 11 Euro, und es bleiben 29 Euro. Später ist der Kurs auf 60 Euro gestiegen, und du verkaufst um 1.200 Euro. Der Gewinn von 200 Euro wird ebenfalls mit 27,5 % besteuert, das sind 55 Euro, und es bleiben 145 Euro. Aus 1.000 Euro sind so nach Steuern 1.174 Euro geworden. Liegt die Aktie in einem österreichischen Depot, zieht die Bank die Steuer automatisch ab, und damit ist sie erledigt.

Wer glaubt, eine Aktie zu kaufen und damit über Nacht reich zu werden, muss sich bewusst sein, dass es so nicht funktioniert. Die Rendite einer Aktie kommt aus dem Gewinn des Unternehmens, und Gewinne wachsen über Jahre, nicht über Nacht. Wer schnell reich werden will, wettet, und wer Aktien versteht, investiert in Unternehmen.

Rechenbeispiel mit Beispielwerten: 1.000 Euro eingesetzt für 20 Aktien zu 50 Euro. Nach Verkauf zu 60 Euro und Steuer sind es 1.174 Euro: 1.000 Euro Kaufpreis, 145 Euro Kursgewinn nach KESt und 29 Euro Dividende nach KESt. Die KESt von 27,5 Prozent macht zusammen 66 Euro aus.

Wie der Kurs entsteht

Der Preis einer Aktie, der Kurs, entsteht an der Börse durch Angebot und Nachfrage. Wollen mehr Anleger eine Aktie kaufen als verkaufen, steigt der Kurs, im umgekehrten Fall fällt er. Was Anleger kaufen oder verkaufen lässt, ist vor allem die Erwartung, wie sich die Gewinne des Unternehmens entwickeln werden. Ein neues Produkt, ein großer Auftrag oder ein starkes Jahresergebnis heben die Erwartungen, ein Skandal, sinkende Umsätze oder eine Wirtschaftskrise drücken sie.

Deshalb hängen Aktienkurse eng mit der Wirtschaft zusammen. Geht es der Wirtschaft gut, verdienen die Unternehmen mehr, und normalerweise steigen dann auch die Kurse. Kurzfristig kann der Kurs aber stark schwanken, ohne dass sich am Unternehmen etwas geändert hat, weil Nachrichten, Gerüchte und Stimmungen die Anleger mitreißen. Auf kurze Sicht ist die Börse oft launisch, auf lange Sicht folgt der Kurs den Gewinnen. Wer das weiß, muss bei einem Kursrückgang nicht in Panik verkaufen.

Beispielverlauf über zehn Jahre: Der Gewinn des Unternehmens steigt gleichmäßig, der Aktienkurs schwankt um diese Linie, fällt nach einer schlechten Nachricht kurz, folgt aber auf lange Sicht dem Gewinn.

Die Risiken einer Aktie

Das bekannteste Risiko ist das Kursrisiko: Der Kurs kann fallen, und wer in einem Tief verkaufen muss, macht einen Verlust. Dieses Risiko wird kleiner, je länger du die Aktie behalten kannst. Zehn Jahre sind dafür die absolute Mindestdauer, und die Sicherheit steigt mit jedem Jahr, das das Geld länger liegt.

Das größte Risiko ist die Pleite des Unternehmens. Dann werden zuerst die Gläubiger bedient, also Banken, Lieferanten, Mitarbeiter und die Besitzer von Anleihen. Die Aktionäre sind als Eigentümer die Letzten und bekommen nur, was danach noch übrig bleibt, und das ist meistens nichts. Bei einer einzelnen Aktie droht also ein Totalverlust, so selten er auch ist.

Gegen dieses Risiko gibt es ein einfaches Mittel, die Streuung. Wer sein Geld auf viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Ländern verteilt, für den ist die Pleite eines einzelnen kein Drama. Am einfachsten gelingt das mit einem ETF, einem Fonds, der einen ganzen Aktienindex nachbildet und mit einem einzigen Wertpapier Anteile an hunderten oder tausenden Unternehmen enthält.

Wer bei einer Pleite Geld bekommt: Von dem, was vom Unternehmen übrig ist, bekommen zuerst die Gläubiger etwas, also Banken, Lieferanten, Mitarbeiter und Besitzer von Anleihen. Zuletzt kommen die Aktionäre, sie bekommen nur, was danach noch übrig bleibt, und das ist meistens nichts.

So kaufst du eine Aktie

Um Aktien an der Börse zu kaufen, brauchst du ein Wertpapierdepot, also ein Konto für Wertpapiere. Das bekommst du bei deiner Hausbank oder bei einem Online-Broker. Achte darauf, dass das Depot steuereinfach ist. Dann berechnet die Bank die Kapitalertragsteuer, zieht sie ab und führt sie an das Finanzamt ab, und du musst dich um nichts kümmern. Bei einem nicht steuereinfachen Broker, meist mit Sitz im Ausland, musst du alle Gewinne selbst in der Steuererklärung angeben.

Danach gibst du eine Order auf, einen Kaufauftrag mit dem Namen oder der Kennnummer der Aktie (ISIN, International Securities Identification Number), der Stückzahl und dem Preis, den du höchstens zahlen willst. Sobald sich ein Verkäufer zu diesem Preis findet, liegt die Aktie in deinem Depot. Dafür fallen Gebühren an, die je nach Anbieter von wenigen Euro bis zu einem Prozent des Kaufbetrags und mehr reichen. Viele Anbieter verkaufen auch Teile einer Aktie, sogenannte Bruchstücke, sodass schon mit kleinen Beträgen ein Einstieg möglich ist.

Es gibt aber auch Aktien, die gar nicht an der Börse gehandelt werden. In vielen Regionen gibt es Aktiengesellschaften, zum Beispiel aus den Bereichen Energie, Wein oder Lebensmittel, deren Aktien du direkt beim Unternehmen kaufen kannst, meist dann, wenn es neue Aktien ausgibt. Du bist dann genauso Miteigentümer mit Stimmrecht und Anspruch auf Dividende, und oft kennt man das Unternehmen aus der eigenen Gegend. Weil solche Aktien auf den Namen lauten, wirst du im Aktienbuch der Gesellschaft eingetragen. Die Dividende wird nach Abzug der KESt ausgezahlt, einen Gewinn aus dem Verkauf musst du aber selbst in der Steuererklärung angeben, weil keine Depotbank im Spiel ist. Der größte Unterschied zur Börse zeigt sich beim Verkauf: Es gibt keinen Kurs und keinen Markt, an dem jederzeit jemand kauft. Du musst selbst einen Käufer finden oder auf die Vermittlung des Unternehmens hoffen, und oft muss die Gesellschaft der Übertragung zustimmen. Solche Aktien eignen sich deshalb nur für Geld, das du sehr lange nicht brauchst.

So kaufst du eine Aktie in vier Schritten: 1 Depot eröffnen bei Bank oder Online-Broker, steuereinfach. 2 Aktie auswählen über den Namen oder die ISIN. 3 Order aufgeben mit Stückzahl und höchstem Preis. 4 Die Aktie liegt im Depot, die Bank zieht später die KESt ab. Aktien ohne Börse: Kauf direkt beim Unternehmen, Eintrag ins Aktienbuch, Verkauf nur, wenn sich ein Käufer findet.

Dazu eine klare Meinung: Aktien gehören grundsätzlich in jedes Depot. Nur mit ihnen lässt sich auf Dauer eine Rendite erzielen, die über den Zinsen eines Sparkontos liegt, und nur so nimmst du am Wachstum der Weltwirtschaft teil. Die einzige persönliche Frage ist, ob du direkt in einzelne Aktien investierst oder über ETF und Fonds, und welche Branchen, Länder oder sonstigen Schwerpunkte du bevorzugst.

Der Rat zum Schluss: Lege zuerst einen Notgroschen auf ein Sparkonto. Fang dann mit einem kleinen Betrag an, am besten mit einem breit gestreuten ETF oder mit ein paar Aktien von Unternehmen, deren Geschäft du verstehst, und gib dem Geld mindestens zehn Jahre Zeit.

Quellen: Aktiengesetz (RIS), Kapitalerträge – Bundesministerium für Finanzen, Aktienbarometer 2026 – Wiener Börse, Aktienforum, Industriellenvereinigung. Stand: Oktober 2026.

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Hinweis: Diese Seite gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Sie ist keine Empfehlung und keine Aufforderung, ein bestimmtes Produkt zu kaufen oder eine bestimmte Handlung zu setzen.

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