Beitragsbild EVN 2026

EVN Aktie 2026 zwischen steigenden Schulden und stabiler Dividende

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Rekordinvestitionen und steigende Schulden

Die EVN steht vor der größten Investitionsphase ihrer Unternehmensgeschichte. Bis 2030 plant der niederösterreichische Energiekonzern Ausgaben von insgesamt 5,5 Milliarden Euro, um Netze, erneuerbare Erzeugung, Speicherlösungen und Wasserinfrastruktur auszubauen. Bereits im Geschäftsjahr 2024/25 wurden erstmals mehr als 900 Millionen Euro investiert. Ab 2026 sollen die jährlichen Investitionen auf rund eine Milliarde Euro steigen.

Der klare Schwerpunkt liegt auf dem Netzausbau, der mit 50 bis 55 Prozent den größten Anteil der Mittel bindet. Weitere Investitionen fließen in erneuerbare Erzeugung, Fernwärme, Großbatteriespeicher, Projekte in Südosteuropa sowie in die Trinkwasserversorgung in Niederösterreich. Diese Investitionsoffensive bleibt nicht ohne Folgen für die Bilanz. Die Nettoverschuldung der EVN lag per 30. September 2025 bei 1,16 Milliarden Euro und soll sich ab 2026 jährlich um rund 200 Millionen Euro erhöhen. In der Folge wird sich der Verschuldungsgrad bis 2030 auf rund 34 Prozent verdoppeln.

Trotz dieses deutlichen Anstiegs geht der Vorstand davon aus, das bestehende A-Rating halten zu können. In Gesprächen mit Ratingagenturen verweist das Management auf die steigende Ertragskraft, die aus den Investitionen erwartet wird. Ein Großteil der Mittel fließt nach Niederösterreich, wo Netze für den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien ertüchtigt werden müssen. Gleichzeitig steigen die systemischen Anforderungen durch volatile Stromerzeugung aus Wind und Wasser. Die EVN positioniert sich damit klar als Infrastrukturbetreiber der Energiewende – finanziert durch hohe Vorleistungen heute und eine höhere Verschuldung in den kommenden Jahren.

Ergebnisse und Kennzahlen

Das Geschäftsjahr 2024/25 zeigt bei der EVN ein gemischtes, zahlenmäßig gut dokumentiertes Bild. Die Stromerzeugung sank um 12,2 % auf 2.915 GWh, wobei vor allem die erneuerbare Erzeugung mit –16,9 % auf 2.325 GWh deutlich unter dem Vorjahr lag. Ursache waren ein schwächeres Wind- und Wasserdargebot. Gleichzeitig stieg die thermische Erzeugung aus Wärmekraftwerken um 13,7 % auf 590 GWh.

Trotz geringerer Eigenerzeugung entwickelte sich der Netzbetrieb stabil: Der Strom-Netzabsatz erhöhte sich um 4,7 % auf 22.671 GWh, der Erdgas-Netzabsatz sogar um 10,7 % auf 12.828 GWh. Auf Ergebnisebene stiegen die Umsatzerlöse um 3,8 % auf 3,0 Mrd. Euro. Das EBITDA legte deutlich um 19,2 % auf 909,1 Mio. Euro zu, die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 30,3 %. Auch das operative Ergebnis (EBIT) wuchs um 21,4 % auf 490,9 Mio. Euro. Unter dem Strich ging das Konzernergebnis dennoch um 7,4 % auf 436,7 Mio. Euro zurück. Hauptgrund war ein deutlich schwächeres Finanzergebnis, insbesondere infolge einer niedrigeren Dividende der Verbund AG.

Die Eigenkapitalquote blieb mit 60,4 % auf hohem Niveau, während die Nettoverschuldung leicht auf 1,16 Mrd. Euro anstieg. Der operative Cashflow sank auf 935,2 Mio. Euro, während die Investitionen um 20,8 % auf 909,8 Mio. Euro erhöht wurden. Insgesamt zeigt sich: Operativ stabil und margenstark, aber mit rückläufigem Jahresüberschuss bei gleichzeitig deutlich steigender Investitionstätigkeit.

Aktie, Dividende, Bewertung

Die Aktie der EVN spiegelt die operative Stabilität des Konzerns wider, zeigt jedoch zugleich die Grenzen der Ergebnisentwicklung im aktuellen Marktumfeld. Für das Geschäftsjahr 2024/25 liegt der Gewinn je Aktie bei 2,43 Euro und damit um 8,3 % unter dem Vorjahreswert von 2,65 Euro. Damit setzt sich der Rückgang nach dem Ergebnispeak 2022/23 fort, als 2,97 Euro je Aktie erzielt wurden. Trotz dieser Abschwächung bleibt die Ertragskraft im Mehrjahresvergleich solide.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des Jahresendkurses 2024 liegt bei 10,7 und damit unter dem langfristigen Marktdurchschnitt, was auf eine moderate Bewertung hindeutet. Die Dividende je Aktie beträgt erneut 0,90 Euro und bleibt damit auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Nach der kräftigen Erhöhung im Jahr 2023/24 um über 70 % wurde die Ausschüttung nun stabilisiert. Die Dividendenrendite lag zum Jahresende bei rund 3,2 % und ist damit weder überhöht noch defensiv niedrig, sondern bewegt sich im Bereich klassischer Infrastruktur- und Versorgerwerte. Die gesamte Dividendenausschüttung belief sich zuletzt auf rund 203 Millionen Euro.

Der Aktienkurs entwickelte sich schwächer als der Gesamtmarkt und schloss das Geschäftsjahr bei 23,40 Euro, was einem Rückgang von 17,5 % entspricht. Damit blieb die EVN-Aktie sowohl hinter dem ATX als auch hinter dem europäischen Versorgerindex zurück. Die Eigenkapitalquote von über 60 % unterstreicht jedoch die finanzielle Stabilität des Unternehmens und bildet die Basis für eine verlässliche Dividendenpolitik. Insgesamt positioniert sich die EVN-Aktie als defensives Investment mit berechenbarer Ausschüttung, moderater Bewertung und begrenztem kurzfristigem Kurspotenzial.

Netzausbau regionale Schieflagen

Der geplante Netzausbau der EVN macht eine strukturelle Schieflage innerhalb des österreichischen Energiesystems sichtbar. Mehr als die Hälfte der künftig rund eine Milliarde Euro jährlicher Investitionen fließt in den Ausbau und die Ertüchtigung der Stromnetze, ein Großteil davon nach Niederösterreich. Dort konzentriert sich ein wesentlicher Teil der erneuerbaren Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik, deren volatile Einspeisung leistungsfähige Netze zwingend erforderlich macht.

Die finanziellen Lasten dieses Ausbaus schlagen sich jedoch unmittelbar in höheren Netzkosten für die regionalen Kundinnen und Kunden nieder, während die Vorteile – stabile Versorgung und günstiger erneuerbarer Strom – national wirksam werden. Im Geschäftsjahr 2024/25 stieg der Strom-Netzabsatz um 4,7 % auf 22.671 GWh, was die zunehmende Bedeutung der Netzinfrastruktur zusätzlich unterstreicht.

Im Gegensatz zu Deutschland existiert in Österreich kein bundesweiter Ausgleichsmechanismus für Netzentgelte. Während in deutschen Regionen mit hoher Windkraftdichte wie Schleswig-Holstein niedrige Netzentgelte gelten, fehlen vergleichbare Entlastungen für stark belastete Netze im Osten Österreichs. Parallel dazu fließen erhebliche Mittel in zentrale Speicher- und Wasserkraftprojekte in den westlichen Bundesländern, die ebenfalls als Teil der Energiewende argumentiert werden, jedoch andere Kostenstrukturen aufweisen.

Die EVN trägt diese regionale Asymmetrie bilanziell mit, indem sie hohe Vorleistungen für Netze erbringt und damit die regulierte Kapitalbasis ausweitet. Für die Aktionärinnen und Aktionäre bedeutet das langfristig planbare Erträge aus regulierten Netzen, kurzfristig jedoch steigende Investitionen und wachsende Verschuldung. Der Netzausbau wird damit zum stabilen Ertragspfeiler – und gleichzeitig zum politischen und gesellschaftlichen Verteilungsthema innerhalb des österreichischen Energiesystems.

Interessante Aktie und verlässlicher Dividendenzahler

Unter dem Strich positioniert sich die EVN klar als interessante Aktie für Anlegerinnen und Anleger mit Fokus auf Stabilität und laufende Erträge. Trotz rückläufigem Konzernergebnis im Geschäftsjahr 2024/25 bleibt die Ertragsbasis robust. Das EBITDA liegt bei über 900 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote bei rund 60 Prozent, das Kreditrating weiterhin im soliden A-Bereich. Diese Kennzahlen sind die Grundlage dafür, dass die EVN ihre Dividendenpolitik konsequent fortführen kann.

Mit einer Dividende von 0,90 Euro je Aktie ergibt sich eine Dividendenrendite von rund 3,3 % vor Steuern. Diese Ausschüttung ist nicht überzogen, sondern durch operative Cashflows gedeckt und in einem regulierten Geschäftsmodell verankert. Gleichzeitig hat der Vorstand klar kommuniziert, dass die Dividende ab 2025/26 zumindest stabil bleiben und bis 2029/30 auf mindestens 1,10 Euro je Aktie steigen soll, was einer Ausschüttungsquote von rund 40 Prozent entspricht.

Für Investoren bedeutet das hohe Planungssicherheit. Dem stehen steigende Investitionen und eine wachsende Nettoverschuldung gegenüber, die jedoch gezielt in Netze, erneuerbare Erzeugung und Speicher fließen und damit langfristig stabile Erträge sichern sollen. Kursseitig zeigt die Aktie aktuell keine Wachstumsdynamik, was sich auch in einem moderaten KGV widerspiegelt. Gerade darin liegt jedoch der Charakter der EVN: kein spekulativer Titel, sondern ein defensiver Infrastrukturwert. Für Anleger, die einen verlässlichen Dividendenzahler mit kalkulierbarem Risiko suchen, bleibt die EVN damit eine sachlich begründete und langfristig interessante Aktie.

EVN Investor Relations: https://www.evn.at/home/investor-relations

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