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Moment der Verwirrung
Ich sitze vor meinem flatex Depot und denke mir: Passt, das verkauf ich jetzt schnell. Ein ETF, den ich schon länger halte, nichts Spektakuläres. Ein Klick auf das rote V, Handelsplatz auswählen, Market Order, fertig. So zumindest die Vorstellung in meinem Kopf.
Dann sehe ich diese Zahl im Bestand und bleibe hängen: 53,208413 Stück. Bitte was? Seit wann hab ich Kommazahlen im Depot wie bei einer Küchenwaage? Am Anfang wirkt das sogar irgendwie lustig. Bruchstücke halt, Fractional Shares, kennst du ja. Man kauft nicht ein ganzes Stück, sondern gibt eine Summe ein und bekommt eben einen Anteil. Sinnvoll ist das auch, vor allem wenn man mit kleinen Beträgen unterwegs ist und nicht gleich 500 Euro pro Aktie hinlegen will.

Nur: Verkaufen ist die andere Seite der Medaillie. Hier beginnt das Drama, weil du glaubst, du drückst einmal auf „Verkaufen“ und das Thema ist erledigt. Ist es aber nicht. Du kannst bei Flatex nicht einfach sagen: „Alles raus, Ende.“ Du musst das bürokratisch abarbeiten. Mit Regeln, die nicht ganz durchsichtig sind. Und genau hier hab ich beim ersten Mal gemerkt: Bruchstücke sind super beim Kaufen. Aber beim Verkaufen können sie dir etwas auf die Nerven gehen.
Was Fractional Shares sind
Bevor wir uns gleich das Verkaufen näher ansehen, schauen wir uns an, was diese Bruchstücke überhaupt sind. Fractional Shares heißt im Grunde nur: Du besitzt weniger als ein ganzes Stück. Nicht eine Aktie, sondern 0,3. Nicht einen ETF-Anteil, sondern 0,208413. Das schaut im Depot zwar aus wie ein Rechenfehler, ist aber völlig normal.
Bruchstücke entstehen meistens dann, wenn du nicht eine Stückzahl in deine Order eingibst, sondern einen Geldbetrag. Du sagst zum Beispiel: Ich will um 50 Euro kaufen. Der Broker rechnet dann aus, wie viele Anteile du dafür bekommst. Und zack, du hast eine Position mit Kommazahlen.
Der Vorteil ist offensichtlich. Du kannst auch teure Aktien oder ETFs kaufen, ohne sie überzugewichten. Du kannst kleinere Beträge investieren und trotzdem breit streuen. Vor allem bei Sparplänen ist das praktisch, monatlich wird immer der gleiche Betrag investiert. Und ganz ehrlich: Genau dafür wurde das Ganze erfunden. Das Problem kann aber sein, dass nur der Kauf einfach ist. Du merkst es erst dann, wenn du verkaufen willst. Für mich ist der Verkauf bei Flatex ganz schön tricky geworden. Damit es für dich einfacher wird, gehen wir jetzt zum Verkauf bei Flatex über.
Erster Verkauf ganzer Stücke
Jetzt wird’s praktisch: Die Position im Depot sind 53,208413 Stück eines ETF. Dieser erste Schritt ist noch simpel. Du verkaufst nur die ganzen Stücke. In diesem Beispiel also exakt 53 Stück. Du klickst auf das rote V neben der Position und leitest den Handel ein. Dann wählst du ganz normal einen Handelsplatz aus, so wie du es gewohnt bist. Société Generale, Lang & Schwarz, Baader Bank, was auch immer. Danach füllst du die Verkaufsmaske aus und gibst die Order frei.

Die Bruchstücke bleiben übrig. Weniger als ein Stück, in diesem Beispiel sind es eben 0,208413. Die gute Nachricht ist, der Verkauf der ganzen Stück hat funktioniert, weil nur noch die Bruchstücke da sind. Du hast alles korrekt gemacht.
Du hast aber nur den ersten von zwei Verkäufen erledigt. Und ja: Bei flatex brauchst du für einen vollständigen Verkauf von Bruchstück-Positionen tatsächlich zwei Trades. Einmal für die ganzen Stücke und einmal extra für den Rest.
Bruchstücke im verstecken Handelsplatz
Jetzt kommt der Teil, der wirklich „special“ ist. Du hast die 53 ganzen Stück verkauft und im Depot liegt nur noch der Rest herum. 0,208413 Stück. Also Bruchstücke. Und die sollen noch weg. Du klickst wieder auf das rote V und bist wieder in der Verkaufsmaske. Und jetzt erwartest du eigentlich dass du wieder Xetra oder Tradegate auswählst und fertig. Aber nein. Das funktioniert nicht. Weil Bruchstücke bei flatex nicht über die üblichen Börsenplätze gehandelt werden können.
Flatex schreibt dazu selbst: „Bruchstücke (Anteile < 1,0) können nur über die Kapitalanlagegesellschaft (KAG) gehandelt werden. Diese werden zusammengefasst als sogenannte Blockorder ausgeführt. Die Ausführung durch die Kapitalanlagegesellschaft dauert in der Regel ein bis zwei Tage.“ (Quelle: Flatex, 08.01.2026.) Kennst du dich jetzt aus? Nein? Ich auch nicht. Was ist die Kapitalanlagegesellschaft? Blockorder? Dass man sich hier nicht auskennt, ist durchaus normal, wenn man kein seit Jahren von der Börse Besessener ist. Diese Hilfebeschreibung klingt eher nach Finanzamt.
Zurück zum zweiten Handel, um die Bruchstücke loszuwerden: Du überspringst die üblichen Handelsplätze und klickst unten auf „weitere Handelsplätze anzeigen„. Die Liste erweitert sich und plötzlich taucht eine Option auf, die du vorher nie gebraucht hast.
„Bruchstücke/KVG“. Das ist genau der Handelsplatz, den du für den Rest brauchst. Du wählst also „Bruchstücke/KVG“ aus und übernimmst die restliche Dezimalzahl aus dem Bestand. Du wählst einen Ordertyp aus und gibst die Order frei.
Jetzt ist Geduld gefragt. Anders als man ist bei einer Market Order gewohnt ist, findet der Verkauf aber nicht sofort statt, so und dann kann ein bis zwei Tage dauern. Du wirst darüber nicht benachrichtigt, sollte es daher von selbst wieder in dein Depot sehen.
Gebühren, Frust und die Broker-Frage
Die Abrechnung findest du wie gewohnt im Menüpunkt Post im Dokumentenarchiv. Es sind alle Punkte vorhanden, wie du im folgenden Screenshot aus einem anderen Bruchstücke-Verkauf sehen kannst.

Du findest die gehandelten Bruchstücke als Dezimalzahl dargestellt, den Ausführungskurs, den Gesamtwert usw. Leider findest du dort auch die bezahlten Spesen dafür, unter dem Punkt Provision. Flatex verrechnet per Stand Jänner 2026 für die Ausführung EUR 5,90 und damit genauso viel wie für einen gewöhnlichen Kauf oder Verkauf.
Letztendlich war die, wie ich finde, doch komplizierte Abwicklung des Bruchstücke-Verkaufs und die Gebühren der Grund dafür, dass einige Leute von Flatex zu Trade Republic gewechselt sind. Und obwohl Flatex die Gebührenstruktur überarbeitet hat und beispielsweise die Anzahl der gratis ETFs für die Sparpläne deutlich erhöht hat und auch die Dividendengebühr gestrichen hat, so ist letzteres vor allem doch nur für die Personen interessant, die wirklich größere Summen bewegen. Der Anfänger, der die Börse erstmal kennenlernen will, wird durch Gebühren und komplizierten Handel eher abgeschreckt. Daher geht die Empfehlung dann doch eindeutig zu Trade Republic statt zu Flatex, aber – und das ist sehr wichtig – nur, wenn der Support vermutlich nicht benötigt wird.
Bei eigenen Tests hat, was den Service angeht, Flatex weit die Nase vorne. Es handelt sich halt doch um einen etwas professionelleren Broker. Trade Republic ist gut was das intuitive Handeln und die Preise angeht. Beim Punkt Antwort oder Reaktionszeit lässt das Service aber sehr zu wünschen übrig. Das ist mal wieder ein gutes Beispiel dafür, dass man sich für Qualität oder billig entscheiden muss. Beides ist in der Regel selten möglich.
Video
Möchtest du ein Konto neu eröffnen, verwende doch bitte den folgenden Link:
Trade Republic*: https://ref.trade.re/hs562m05
Flatex*: https://konto.flatex.at/cci/?referrerID=e6b8965c-1adb-11ed-b709-0242ac110014
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