Zuletzt aktualisiert: 17.10.2026
Wer 1.000 Euro in eine Aktie steckt, zahlt dafür je nach Bank zwischen rund 5 und fast 100 Euro an Ordergebühren, und mit der falschen Orderart kann der Kaufpreis noch einmal deutlich über dem zuletzt angezeigten Kurs liegen. Bevor du an der Börse kaufst oder verkaufst, solltest du deshalb die wichtigsten Orderarten kennen. Auf dieser Seite erfährst du, wie eine Order an der Börse ausgeführt wird, was Geldkurs, Briefkurs und Spread bedeuten, wann die Wiener Börse handelt und wie Market Order, Limit Order, Stop Loss, Stop Limit und Trailing Stop funktionieren.
Inhalt
Orderarten verstehen: Geldkurs, Briefkurs und Spread
Eine Order ist der Auftrag an deine Bank oder deinen Broker, ein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen, an der Börse handeln darfst du nicht selbst.

Die Bank leitet deinen Auftrag an einen Handelsplatz weiter, zum Beispiel an die Wiener Börse. Dort landen alle Aufträge im Orderbuch und werden nach Preis und Zeit zusammengeführt: Wer mehr bietet oder billiger verkauft, kommt zuerst dran, bei gleichem Preis der frühere Auftrag. Der höchste Preis, zu dem gerade jemand kaufen will, heißt Geldkurs, der niedrigste Preis, zu dem jemand verkaufen will, Briefkurs. Wer sofort kauft, zahlt also den Briefkurs, wer sofort verkauft, bekommt den Geldkurs.
Die Differenz zwischen beiden heißt Spread. Aktien großer Unternehmen haben meist einen sehr kleinen Spread, weil viel gehandelt wird, bei kleinen, wenig gehandelten Werten ist er größer. An der Wiener Börse stellen sogenannte Market Maker laufend Kauf- und Verkaufspreise und müssen dabei Obergrenzen einhalten, je nach Aktie zwischen 0,65 und 5 Prozent, bei ETF 3 Prozent. Wer 1.000 Euro sofort kauft und gleich wieder verkauft, verliert den Spread: bei 0,65 Prozent 6,50 Euro, bei 5 Prozent 50 Euro, zusätzlich zu den Gebühren.
Handelszeiten Wiener Börse: fortlaufender Handel und Auktionen
Aktien aus dem ATX werden an der Wiener Börse an jedem Handelstag von 9 bis 17:30 Uhr laufend gehandelt.

Der Tag beginnt um 8 Uhr mit dem Vorhandel, in dem Aufträge gesammelt werden, um 8:55 Uhr folgt die Eröffnungsauktion. In einer Auktion wird der Preis gesucht, zu dem die meisten Aktien den Besitzer wechseln, und alle passenden Aufträge werden zu diesem einen Preis ausgeführt. Von 9 bis 12 Uhr und von 12:03 bis 17:30 Uhr läuft der fortlaufende Handel, dazwischen gibt es eine kurze Mittagsauktion. Um 17:30 Uhr beginnt die Schlussauktion, danach kann bis 17:45 Uhr noch zum Schlusskurs gehandelt werden. Andere Aktien im prime market starten um 9:04 Uhr, ETF ebenfalls um 9:04 Uhr.
Wenig gehandelte Werte haben dagegen nur eine einzige Auktion am Tag, von 12:30 bis 13:30 Uhr. Ein tagesgültiger Auftrag, der erst danach kommt, wird nicht mehr ausgeführt. Außerhalb dieser Zeiten handeln manche Broker über eigene Handelsplätze, oft bis in den Abend, dann gelten deren Preise und Regeln. An Börsenfeiertagen wie dem 26. Oktober, dem 24., 25. und 31. Dezember wird in Wien nicht gehandelt.
Market Order: bestens kaufen oder verkaufen
Eine Market Order ist ein Auftrag ohne Preisgrenze, sie wird zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt.

Beim Kauf heißt sie auch Billigst-Order, beim Verkauf Bestens-Order, im Alltag sagen viele zu beidem einfach bestens. Ihr Vorteil: Sie wird fast sicher ausgeführt, sofern es ein Gegenangebot gibt. Ihr Nachteil: Du weißt vorher nicht, zu welchem Preis. Ein Rechenbeispiel mit Beispielwerten: Im Orderbuch stehen 300 Aktien um 20,10 Euro, 200 um 20,15 Euro und 500 um 20,30 Euro zum Verkauf. Kaufst du 600 Stück bestens, bekommst du 300 um 20,10 Euro, 200 um 20,15 Euro und 100 um 20,30 Euro. Statt 12.060 Euro zahlst du 12.090 Euro, also 30 Euro mehr, als der angezeigte Kurs versprochen hat.
Bei großen Aktien und kleinen Beträgen ist dieser Effekt meist gering. Gefährlich wird die Market Order bei wenig gehandelten Werten und bei starken Kursschwankungen, etwa nach überraschenden Nachrichten. Die Börse unterbricht den Handel zwar automatisch für eine Auktion, wenn der nächste Preis zu weit vom letzten abweicht, innerhalb dieser Grenzen kann der Preis aber trotzdem deutlich ausreißen. Manche Banken nehmen bei Aktien unter einem Euro deshalb gar keine Bestens-Aufträge an.
Limit Order: den Preis selbst festlegen
Mit einer Limit Order bestimmst du den Preis selbst: Gekauft wird nur zum Limit oder billiger, verkauft nur zum Limit oder teurer.

Liegt der Briefkurs bei 20,10 Euro und du setzt ein Kauflimit von 20,00 Euro, wird erst gekauft, wenn jemand bereit ist, um 20,00 Euro oder weniger zu verkaufen. Du zahlst also sicher nicht mehr als gewollt, aber es kann sein, dass die Order nie ausgeführt wird. Möglich ist auch eine Teilausführung: Von 100 bestellten Aktien werden zum Beispiel nur 40 gekauft, der Rest bleibt im Orderbuch. Bei manchen Banken kostet jede Teilausführung eigene Gebühren, ein Blick ins Preisblatt lohnt sich.
Jede Order hat außerdem eine Gültigkeit: tagesgültig bis zum Handelsschluss, bis zum Monatsende, also Ultimo, oder bis zu einem bestimmten Datum, je nach Bank höchstens 120 bis 360 Tage. Wichtig für alle, die länger warten: Vor dem Tag, an dem eine Aktie ohne Dividende gehandelt wird, löscht die Wiener Börse alle offenen Aufträge in dieser Aktie automatisch, ebenso bei Ausschüttungen von ETF und bei Kapitalmaßnahmen. Wer eine Limit Order über Wochen stehen lässt, muss sie nach dem Tag der Dividende selbst neu erteilen, außer die Bank erledigt das.
Stop Loss, Stop Buy und Stop Limit
Eine Stop Order wartet im Hintergrund und wird erst aktiv, wenn der Kurs eine bestimmte Marke erreicht.

Der Stop Loss ist ein Verkaufsauftrag zur Verlustbegrenzung: Du hast eine Aktie um 110 Euro und setzt den Stop bei 100 Euro. Fällt der Kurs auf 100 Euro, wird daraus automatisch eine Market Order, die zum nächsten Preis verkauft. Der Stop Buy funktioniert umgekehrt: Steigt der Kurs über die Marke, wird gekauft, etwa wenn du erst einsteigen willst, wenn eine Aktie eine bestimmte Grenze überwunden hat. An der Wiener Börse liegen Stop Orders direkt im Handelssystem, welche Varianten du nutzen kannst, hängt aber von deiner Bank und dem Handelsplatz ab.
Ein Stop Loss schützt aber nicht vor jedem Verlust. Eröffnet die Aktie nach schlechten Nachrichten gleich bei 92 Euro, wird der Stop ausgelöst und die Aktie um rund 92 Euro verkauft, nicht um 100 Euro. Und fällt der Kurs nur kurz unter die Marke, bist du die Aktie los, auch wenn sie danach wieder steigt. Die Stop Limit Order begrenzt das erste Risiko: Mit Stop 100 Euro und Limit 95 Euro wird nach Auslösung nur verkauft, wenn sich ein Käufer um mindestens 95 Euro findet. Fällt der Kurs direkt darunter, wird allerdings gar nicht verkauft. Für langfristige Anleger mit einem breit gestreuten ETF ist ein Stop Loss meist keine gute Idee: Er verkauft genau dann, wenn die Kurse fallen, und ein Kurssturz ist für einen Sparplan eher eine Gelegenheit, günstiger zu kaufen.
Trailing Stop: der Stop, der mitwandert
Der Trailing Stop ist ein Stop Loss, der bei steigenden Kursen automatisch nachgezogen wird und bei fallenden Kursen stehen bleibt.

Ein Beispiel mit Beispielwerten: Die Aktie steht bei 50 Euro, du setzt einen Trailing Stop mit 5 Euro Abstand, der Stop liegt also bei 45 Euro. Steigt die Aktie auf 55 Euro, wandert der Stop auf 50 Euro mit. Fällt sie danach auf 53 Euro, bleibt der Stop bei 50 Euro. Steigt sie auf 58 Euro, steht der Stop bei 53 Euro, und fällt sie dann auf 53 Euro, wird verkauft. So sicherst du einen Teil des Gewinns ab, ohne laufend selbst nachbessern zu müssen. Den Abstand kannst du in Euro oder in Prozent festlegen.
Für den Trailing Stop gelten dieselben Grenzen wie für jeden Stop Loss: Bei einer Kurslücke wird darunter verkauft, und ein zu enger Abstand löst schon bei normalen Schwankungen aus. Nicht jede Bank bietet ihn für jeden Handelsplatz an, manche nur an deutschen Börsen oder im Direkthandel.
Was eine Order kostet und welche Orderart zu dir passt
Die Ordergebühr legt jede Bank selbst fest, und die Unterschiede sind groß.

Ein Kauf um 1.000 Euro an der Wiener Börse kostete laut den Preisblättern österreichischer Banken im Oktober 2026 bei Online-Banken und Online-Brokern rund 5 bis 8 Euro, bei einer Regionalbank im Online-Banking 30,50 Euro, in der Filiale einer Großbank mindestens 23 Euro plus fremde Spesen und bei einer Privatbank in der Filiale mindestens 97,75 Euro. Bei so kleinen Beträgen frisst die Mindestgebühr schnell einen großen Teil des Ertrags. Dazu kommen bei manchen Banken Gebühren für das Ändern oder Löschen eines Limits und für Aufträge per Telefon. Welche Bank zu dir passt, hängt vor allem am Wertpapierdepot.
Dazu eine klare Meinung: Wer selbst Aktien oder ETF kauft, sollte sich angewöhnen, fast immer mit Limit zu kaufen, knapp über dem aktuellen Briefkurs. Das kostet nichts extra, und du behältst die Kontrolle über den Preis. Die Market Order ist für große, viel gehandelte Werte während der Handelszeit in Ordnung, Stop und Trailing Stop sind Werkzeuge für alle, die aktiv handeln, nicht für den Vermögensaufbau mit einem Sparplan, der ohnehin automatisch kauft.
Der Rat zum Schluss: Prüf vor jeder Order die ISIN, ob du wirklich Kaufen oder Verkaufen gewählt hast, den Handelsplatz und die Gültigkeit, und fang mit einem kleinen ersten Kauf mit Limit an, damit du siehst, wie deine Bank die Order abrechnet.
Quellen: Wiener Börse: Ordertypen, Handelszeiten, Marktmodell Xetra T7, Liquiditätsanbieter, Handelskalender und Börsenlexikon Stop Orders; FMA: Reden wir über Geld Nr. 54, Schritt für Schritt zur ersten Aktie; Arbeiterkammer: Aktien und Wertpapiere, Gebühren im Vergleich; Preisblätter österreichischer Banken und Broker, Stand Oktober 2026. Stand: Oktober 2026.

Weiterlesen: Der erste kleine Kauf mit Limit zeigt dir, wie deine Bank die Order abrechnet. Beim ersten Verkauf mit Gewinn kommt die Steuer dazu, und wie viel Arbeit sie dir macht, hängt davon ab, ob du einen steuereinfachen Broker hast. Dort steht, was das heißt und was ohne ihn auf dich zukommt.
Hinweis: Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick und ist keine Anlageberatung. Welche Orderarten, Gültigkeiten und Gebühren gelten, steht in den Bedingungen und im Preisblatt deiner Bank.


