Zuletzt aktualisiert: 17.10.2026
2020 kostete eine Megawattstunde Strom im österreichischen Großhandel im Schnitt rund 33 Euro, 2022 waren es rund 261 Euro, fast das Achtfache. Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr hätte allein der Sprung von 2021 auf 2022 rund 650 Euro mehr bedeutet, wenn der Lieferant die gestiegenen Kosten voll weitergegeben hätte (Beispielwerte). Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist Energie Dauerthema in den Schlagzeilen, und auch Handelsstreitigkeiten großer Länder sorgen immer wieder für Unruhe. Gas- und Strompreise haben starke Sprünge hinter sich und belasten Haushalte und vor allem Unternehmen, was wiederum die Preise für alles andere treibt. Diese Seite geht den Weg der Energie in Österreich Schritt für Schritt: wofür wir sie brauchen, woher sie kommt, welche Rolle Wasserkraft und Gas spielen, wie Strom und Gas gehandelt werden, wer den Markt überwacht und warum der Preis trotz viel Wasserkraft vom Weltmarkt abhängt.
Inhalt
Wofür Österreich Energie braucht
Am meisten Energie fließt in den Verkehr, rund ein Drittel des gesamten Endverbrauchs, vor allem als Diesel und Benzin für Autos und Lastwagen. Danach folgen mit je gut einem Viertel die privaten Haushalte, die vor allem heizen und Warmwasser bereiten, und die Industrie, die Wärme und Strom für Stahl, Papier, Chemie und viele andere Produkte braucht. Dienstleister wie Büros, Geschäfte und Spitäler verbrauchen knapp ein Zehntel, die Landwirtschaft rund 2 Prozent. Endverbrauch heißt dabei die Energie, die tatsächlich beim Verbraucher ankommt, also ohne die Verluste in Kraftwerken und Leitungen.

Nach Energieträgern betrachtet sind Ölprodukte mit 35 Prozent des Endverbrauchs noch immer die Nummer eins. Strom kommt auf 22 Prozent, erneuerbare Energieträger wie Holz und Pellets auf 20 Prozent und Erdgas auf 15 Prozent, der Rest ist vor allem Fernwärme. Fast drei Viertel des Endverbrauchs hängen damit direkt oder über die Stromerzeugung an Öl, Gas und Strom, also an Energie, deren Preis am Markt gebildet wird.
Woher die Energie kommt
Österreich hat viel Wasser und viel Wald, aber kaum Öl und Gas. Erneuerbare Energie deckt gut ein Drittel des gesamten Energiebedarfs, deutlich mehr als im Durchschnitt der EU mit rund einem Fünftel. Den Rest liefern fossile Energieträger: Öl mit einem Drittel, Erdgas mit einem Fünftel und Kohle, vor allem für die Stahlerzeugung, mit knapp 8 Prozent. Das Öl und das Gas kommen fast vollständig aus dem Ausland.

Unterm Strich muss Österreich mehr als die Hälfte seiner Energie netto einführen, 2025 waren es rund 55 Prozent. Für Energieimporte hat Österreich 2025 rund 12,7 Milliarden Euro ausgegeben, im Durchschnitt der fünf Jahre davor waren es rund 16 Milliarden Euro im Jahr. Das zeigt, wie stark die Kosten mit den Weltmarktpreisen schwanken, auch wenn die Menge ungefähr gleich bleibt. Was für den Außenhandel eines kleinen Landes allgemein gilt, trifft auf Energie ganz besonders zu: Ohne Importe ist die Versorgung nicht möglich.
Strom: viel Wasserkraft, aber nicht immer genug
Beim Strom steht Österreich besser da als die meisten Länder Europas. 2024 kamen rund 86 Prozent des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen, allein die Wasserkraft lieferte 58 Prozent, aus Laufkraftwerken an den Flüssen und aus Speicherkraftwerken in den Bergen. Wind und Sonne trugen zusammen rund 22 Prozent bei, und sie wachsen jedes Jahr kräftig. Gaskraftwerke lieferten knapp 10 Prozent.

Die Wasserkraft hat aber einen Haken: Sie hängt vom Wetter ab. Je nach Niederschlag schwankt ihr Anteil zwischen 54 und 67 Prozent, und im Winter, wenn am meisten Strom gebraucht wird, führen die Flüsse am wenigsten Wasser. Dann laufen Gaskraftwerke, und Österreich kauft Strom im Ausland. Von 2000 bis 2022 hat Österreich über das Jahr gerechnet mehr Strom importiert als exportiert, 2023 und 2024 gab es dank viel Wasser einen Überschuss, und 2025 war Österreich wieder Nettoimporteur.
Gas: vom russischen Lieferanten zum Weltmarkt
Über Jahrzehnte hat Österreich sein Gas zum Großteil aus Russland bezogen, zuletzt rund 80 Prozent der Importe, gesichert über langfristige Verträge. Mit dem Krieg in der Ukraine ist diese Strategie zusammengebrochen. Seit Jänner 2025 fließt kein russisches Gas mehr durch die Ukraine, und Österreich bezieht sein Gas über Deutschland und Italien. Dorthin kommt es aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien, aus Nordafrika und als verflüssigtes Erdgas per Schiff aus aller Welt, etwa aus den USA und Katar. Verflüssigtes Erdgas heißt LNG, Liquefied Natural Gas.

Gebraucht wird Gas vor allem in der Industrie mit rund 39 Prozent, in Kraftwerken für Strom und Fernwärme mit rund 27 Prozent und in Haushalten, Büros und der Landwirtschaft mit rund 25 Prozent. Ein Vorteil Österreichs sind die großen Gasspeicher: Sie fassen rund 100 Terawattstunden, mehr als das Land in einem Jahr verbraucht. Im Sommer werden sie befüllt, im Winter geleert. Speicher sichern die Versorgung, aber nicht den Preis, denn das Gas für die Speicher muss zum jeweiligen Marktpreis gekauft werden.
Wie Strom und Gas gehandelt werden
Strom und Gas werden an Börsen gehandelt wie Aktien, nur dass die Ware über Leitungen geliefert wird. Für Strom gibt es den Handel für den nächsten Tag, Day-Ahead genannt, bei dem für jede Stunde und inzwischen jede Viertelstunde ein Preis entsteht, und den Terminhandel, bei dem Lieferanten Monate und Jahre im Voraus einkaufen. Gas wird an Handelsplätzen wie dem niederländischen TTF gehandelt, dem wichtigsten Gaspreis Europas, und am österreichischen Knoten in Baumgarten. Der Preis entsteht dabei aus Angebot und Nachfrage.

Beim Strom gilt eine besondere Regel, die Merit-Order, also die Reihenfolge der Kraftwerke nach ihren Kosten. Zuerst kommen die billigsten zum Zug, Wasser, Wind und Sonne, dann die teureren, zuletzt Gaskraftwerke. Den Preis für alle bestimmt das teuerste Kraftwerk, das in dieser Stunde noch gebraucht wird. Läuft ein Gaskraftwerk, bekommt auch der Strom aus dem billigen Wasserkraftwerk den Gaspreis. Und weil Österreich mit seinen Nachbarn über Leitungen eng verbunden ist, gleichen sich die Preise in Europa weitgehend an. Deshalb hängt der Strompreis trotz viel Wasserkraft am Gaspreis und damit am Weltmarkt: Wir sitzen eben alle in einem Boot.
Wer den Markt überwacht: die E-Control
Damit dieser Markt nach fairen Regeln funktioniert, gibt es in Österreich eine eigene Behörde, die E-Control, vollständig Energie-Control Austria. Sie ist die unabhängige Regulierungsbehörde für Strom und Gas und wurde 2001 mit der Öffnung des Strommarkts geschaffen. Seither kann sich jeder Haushalt seinen Lieferanten selbst aussuchen, und die E-Control achtet darauf, dass dabei alle die gleichen Chancen haben. Wichtig ist, was sie nicht tut: Den Preis für die Energie selbst legt sie nicht fest, der entsteht am Markt.

Fest legt sie aber die Netzentgelte, also das, was du für den Transport von Strom und Gas über die Leitungen zahlst. Die Netze sind ein natürliches Monopol, denn in jeder Region gibt es nur einen Netzbetreiber, und deshalb prüft die E-Control dessen Kosten und bestimmt die Entgelte jedes Jahr per Verordnung. Außerdem stellt sie die Regeln für den Markt auf, überwacht den Wettbewerb und den Großhandel auf Insiderhandel und Marktmanipulation, beobachtet die Versorgungssicherheit und erstellt die offiziellen Statistiken zu Strom, Gas und Ökostrom. Für Verbraucher besonders nützlich sind zwei Angebote: der Tarifkalkulator, der alle Strom- und Gasangebote für die eigene Postleitzahl vergleicht, und die Schlichtungsstelle, an die du dich kostenlos wenden kannst, wenn es mit deinem Lieferanten oder Netzbetreiber Streit gibt, etwa um eine Abrechnung.
Was Preissprünge für Haushalte und Unternehmen bedeuten
Wie stark die Preise schwanken können, zeigen die letzten Jahre. Im Großhandel kostete eine Megawattstunde Strom in Österreich 2020 im Schnitt rund 33 Euro, 2021 rund 107 Euro und 2022 rund 261 Euro, in einzelnen Stunden im Sommer 2022 sogar über 900 Euro. Danach fiel der Preis wieder, auf rund 82 Euro 2024 und rund 99 Euro 2025, aber nicht auf das alte Niveau. Das Rechenbeispiel aus der Einleitung: Der Anstieg von 2021 auf 2022 betrug rund 154 Euro je Megawattstunde, also 15,4 Cent je Kilowattstunde. Bei 3.500 Kilowattstunden sind das 539 Euro, mit 20 Prozent Umsatzsteuer rund 650 Euro im Jahr. Bei den Haushalten kam der Anstieg verzögert und abgeschwächt an, weil Lieferanten auf Termin einkaufen und der Staat mit Zuschüssen gegengesteuert hat.

Für Unternehmen wiegt das noch schwerer. Ein Stahlwerk, eine Papierfabrik oder eine Bäckerei braucht Energie in großen Mengen und kann nicht einfach weniger heizen. Steigen die Energiekosten, steigen die Preise für ihre Produkte, und so wandern höhere Energiepreise durch die ganze Wirtschaft. Die hohe Inflation der Jahre 2022 und 2023 ging zu einem großen Teil darauf zurück. Dazu kommt der Wettbewerb: Wo Energie dauerhaft teurer ist als in anderen Teilen der Welt, wird es für energieintensive Betriebe schwerer, im Inland zu produzieren.
Wie alles zusammenhängt
Fügt man alle Teile zusammen, ergibt sich ein Kreislauf. Ein Konflikt, ein kalter Winter oder eine hohe Nachfrage in Asien treibt den Gaspreis am Weltmarkt. Der Gaspreis bestimmt über die Merit-Order den Strompreis an der Börse, auch in Österreich. Die Lieferanten geben die höheren Kosten mit Verzögerung an Haushalte und Betriebe weiter, die Betriebe an ihre Kunden, und am Ende steigen die Preise im ganzen Land. Umgekehrt bringen mehr Wind- und Sonnenstrom, volle Speicher und viele Lieferländer Ruhe in den Markt. Jede Lage ist anders, und niemand weiß, wo die Preise in einem Jahr stehen.

Für den eigenen Haushalt bleibt trotzdem einiges zu tun. Strom und Gas lassen sich bei jedem Lieferanten kaufen, und der Wechsel kostet nichts und dauert meist nur wenige Wochen. Der Tarifkalkulator der E-Control zeigt die Angebote für die eigene Postleitzahl. Energieversorger sind Dienstleister wie jeder andere, Treue zahlt sich auch hier nicht automatisch aus. Wer seine Energiekosten im Haushaltsbudget kennt, sieht auch, was ein Preissprung für ihn bedeuten würde.
Der Rat zum Schluss: Nimm einmal im Jahr deine Jahresabrechnung für Strom und Gas zur Hand, schau dir Verbrauch, Arbeitspreis je Kilowattstunde und Grundgebühr an und vergleiche mit den aktuellen Angeboten, denn der billigste Strom ist immer noch der, den du gar nicht verbrauchst.
Quellen: Statistik Austria: Energiebilanzen 2024 (31.10.2025); Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus: Energie in Österreich 2026; E-Control: Unsere Aufgaben; RIS: Energie-Control-Gesetz; Österreichische Energieagentur: Aktuelle Grafiken; Fraunhofer ISE: Energy-Charts (Day-Ahead-Preise Österreich, eigene Berechnung der Jahresdurchschnitte). Stand: Oktober 2026.

Weiterlesen: Der Tarifkalkulator der E-Control zeigt dir die Strom- und Gasangebote für deine Postleitzahl. Der nächste Schritt ist der Wechsel zum neuen Strom- und Gasanbieter, und der kostet nichts. Dort steht Schritt für Schritt, wie er funktioniert und warum er sich lohnt.
Hinweis: Diese Seite erklärt, wie Energieversorgung und Energiepreise in Österreich funktionieren, und ersetzt keine Beratung. Preise ändern sich laufend; das Rechenbeispiel verwendet Beispielwerte.


