Zuletzt aktualisiert: 12.10.2026
Ein Haushalt in Wien, der 3.500 Kilowattstunden Strom und 15.000 Kilowattstunden Gas im Jahr verbraucht, zahlt beim örtlichen Anbieter zusammen rund 3.390 Euro für Energie. Wechselt er zu den günstigsten Angeboten im Tarifkalkulator der E-Control, sind es im ersten Jahr rund 3.030 Euro, also rund 360 Euro weniger. Dafür braucht es zwei Formulare und eine Viertelstunde Zeit. Trotzdem hat 2025 nur rund jeder zwanzigste Strom- und jeder sechzehnte Gaskunde den Anbieter gewechselt. Diese Seite erklärt, warum sich der Wechsel lohnt, was sich dabei ändert und was nicht, wie du den passenden Tarif findest und wie der Wechsel Schritt für Schritt abläuft.
Inhalt
Warum sich der Wechsel lohnt
Seit Oktober 2001 darf in Österreich jeder seinen Stromlieferanten frei wählen, seit Oktober 2002 auch seinen Gaslieferanten. Seitdem hat sich zu wenig getan. Viele Kunden haben das Thema lange verschlafen und sind einfach beim Anbieter geblieben, den sie schon immer hatten. Erst die hohen Energiepreise der letzten Jahre haben viele wachgerüttelt. 2025 haben laut E-Control 5,4 % der Stromkunden und 6,3 % der Gaskunden den Anbieter gewechselt. Das sind mehr als früher, aber immer noch wenige.
Dabei gibt es beim Strom und beim Gas keinen Unterschied in der Ware. Ein Gerät funktioniert gleich, egal von welchem Anbieter der Strom kommt, und das Wasser im Heizkörper hat dieselbe Temperatur, egal wer das Gas liefert. Unterschiedlich ist nur der Preis. Ehrlicherweise muss man dazusagen, dass der Spielraum dabei klein ist. Strom und Gas werden auf dem Weltmarkt gehandelt, und steigen dort die Preise, müssen alle Anbieter zum größten Teil mitgehen. Ein kleiner Teil des Preises lässt sich aber beeinflussen, und genau da hilft der Wettbewerb: Je mehr Kunden vergleichen und wechseln, desto mehr Mühe müssen sich die Anbieter geben, um ihre Kunden zu halten.
Dazu kommt, dass sich der Strommarkt gerade stark verändert. Photovoltaikanlagen und Stromspeicher sind auf immer mehr Häusern zu finden. An sonnigen Tagen gibt es mittags oft mehr Strom, als gebraucht wird, und an der Börse ist er dann billig. Die Anbieter reagieren darauf mit neuen Tarifen, und auch beim Netz gibt es inzwischen einen günstigeren Sommertarif zur Mittagszeit. Davon profitiert auch, wer selbst keine Anlage hat. Wer regelmäßig vergleicht, sieht solche Angebote. Wer nie vergleicht, bekommt davon nichts mit.

Was sich beim Wechsel ändert und was nicht
Bei Strom und Gas hast du immer zwei Partner. Der Netzbetreiber besitzt die Leitungen und den Zähler, liest den Zähler ab und ist für Störungen zuständig. Ihn kannst du nicht wechseln, denn in jedem Gebiet gibt es nur einen. Deshalb legt die Regulierungsbehörde E-Control seine Preise jedes Jahr fest. Der Lieferant verkauft dir die Energie selbst, und nur ihn wechselst du. An der Leitung, am Zähler und an der Versorgung ändert sich dabei nichts, niemand muss in deine Wohnung, und es gibt keine Unterbrechung. Der Wechsel ist kostenlos.
Viele haben Sorge, was passiert, wenn ein kleiner Anbieter pleitegeht. Auch dann bleibt die Versorgung aufrecht. Beim Strom wirst du seit Juni 2026 automatisch einem sogenannten Auffangversorger zugeteilt, beim Gas gibt es eine Ersatzversorgung. Das ist aber nur eine Übergangslösung: Die Auffangversorgung beim Strom ist auf höchstens sechs Monate begrenzt, und der Preis dort ist meist höher als bei den Angeboten am Markt. Du solltest dir in diesem Fall also rasch einen neuen Anbieter suchen.

Wie viel du sparen kannst
Sparen kannst du nur beim Energiepreis, also bei dem Teil der Rechnung, den der Lieferant verlangt. Netzkosten, Steuern und Abgaben sind für alle Anbieter gleich. Im Beispiel aus Wien kostet der Strom beim örtlichen Anbieter rund 1.141 Euro im Jahr, das günstigste Angebot rund 1.020 Euro. Das sind rund 120 Euro weniger, und zwar fast gleich viel mit und ohne Neukundenrabatt. Beim Gas kostet der örtliche Anbieter rund 2.251 Euro, das günstigste Angebot im ersten Jahr rund 2.007 Euro, also rund 244 Euro weniger. Ohne Neukundenrabatt bleiben davon aber nur rund 45 Euro. Beim Gas kommt die Ersparnis im Moment also vor allem aus dem Rabatt für das erste Jahr.
Wie viel herauskommt, hängt stark vom Wohnort ab, denn der örtliche Anbieter ist nicht überall gleich teuer. Laut Preismonitor der E-Control vom 1. Oktober 2026 spart ein Durchschnittshaushalt beim Strom ohne Neukundenrabatt zwischen nichts in Tirol und rund 230 Euro im Jahr in Salzburg. Beim Gas reicht die Spanne ohne Rabatt von nichts bis rund 180 Euro in Linz, mit Rabatt sind es in Linz und Klagenfurt mehr als 360 Euro. Das ist kein Vermögen, aber es ist Geld, das du jedes Jahr wieder holen kannst, und Strom und Gas gehören zu den Fixkosten, die dein Haushaltsbudget jeden Monat belasten.

Den passenden Tarif finden
Das beste Werkzeug für den Vergleich ist der Tarifkalkulator der E-Control. Er enthält alle Anbieter in Österreich, wird von keinem Anbieter bezahlt und zeigt den Gesamtpreis mit Netzkosten, Steuern und Abgaben. Du brauchst dafür nur deine Postleitzahl und deinen Jahresverbrauch in Kilowattstunden. Den findest du auf der letzten Jahresabrechnung. Kennst du ihn nicht, kannst du im Tarifkalkulator auch die Größe deines Haushalts angeben, dann rechnet er mit Durchschnittswerten.
Schau beim Ergebnis nicht nur auf den Preis ganz oben. Viele günstige Angebote sind nur wegen eines Neukundenrabatts günstig, der nach dem ersten Jahr wegfällt. Stell deshalb die Vergleichsdauer auf zwei Jahre, dann rechnet der Tarifkalkulator die Rabatte auf die ganze Zeit um. Prüfe außerdem, ob der Tarif eine Preisgarantie hat und wie lange, ob es eine Bindung gibt, die höchstens ein Jahr dauern darf, und ob sich der Preis automatisch jeden Monat ändert. Achte auch auf Kleinigkeiten, die Geld kosten: Manche Tarife gibt es nur mit Online-Rechnung oder Bankeinzug, und bei manchen bekommst du für Strom und Netz zwei getrennte Rechnungen statt einer. Wie gut ein Anbieter erreichbar ist, wenn einmal etwas nicht passt, zeigt kein Tarifkalkulator. Ein Blick auf die Kontaktmöglichkeiten des Anbieters schadet deshalb nicht.

Schritt für Schritt wechseln
Hast du dich für einen Tarif entschieden, meldest du dich beim neuen Anbieter an, auf seiner Website oder mit einem Formular per Post. Dafür brauchst du deine persönlichen Daten und die Zählpunktbezeichnung, also die Nummer deines Zählers. Sie ist 33 Stellen lang, beginnt mit AT und steht auf deiner Rechnung, beim Strom und beim Gas jeweils eine eigene. Für Strom und Gas schließt du zwei getrennte Verträge ab, sie müssen nicht beim selben Anbieter sein.
Den Rest erledigt der neue Anbieter. Er kündigt mit deiner Vollmacht den alten Vertrag und teilt dir mit, ab welchem Tag er liefert. Der Wechsel darf höchstens drei Wochen dauern, beim Strom ist der technische Vorgang seit April 2026 sogar in 24 Stunden möglich. Prüfe vorher, ob du beim alten Anbieter noch eine Bindung hast, denn dann ist der Wechsel erst danach möglich. Ohne Bindung beträgt die Kündigungsfrist für dich höchstens zwei Wochen.
Lies am Tag des Wechsels deine Zählerstände ab und gib sie dem Netzbetreiber bekannt, am besten mit einem Foto vom Zähler. Dann wird genau abgerechnet. Der alte Anbieter muss dir innerhalb von sechs Wochen eine Endabrechnung schicken. Hast du dort zu viel bezahlt, bekommst du das Guthaben zurück. Beim neuen Anbieter prüfst du gleich die ersten Teilzahlungen: Passen sie nicht zu deinem Verbrauch, lass sie anpassen, damit am Ende des Jahres keine große Nachzahlung kommt.

Worauf du achten musst
Strom- und Gasverträge werden auch an der Haustür, am Telefon oder an Ständen mit Gewinnspielen verkauft. Das muss nicht unseriös sein, aber unterschreibe nichts, was du nicht in Ruhe vergleichen konntest, und gib deine Rechnung oder deine Zählpunktbezeichnung niemandem, den du nicht kennst. Mit diesen Daten kann jemand einen Wechsel einleiten. Hast du doch an der Haustür, am Telefon oder an einem Stand einen Vertrag abgeschlossen, kannst du innerhalb von 14 Tagen ab Vertragsabschluss zurücktreten. Teil das dem Anbieter schriftlich mit und kümmere dich gleich um einen neuen Vertrag oder sag dem alten Anbieter, dass du bleiben willst.
Kündigt dein Anbieter eine Preiserhöhung an, kannst du widersprechen. Dann endet der Vertrag nach drei Monaten, und bis dahin zahlst du den alten Preis. Diese Zeit musst du nutzen, um einen neuen Anbieter zu finden. Und trag dir das Ende von Rabatt, Bindung und Preisgarantie in den Kalender ein, damit du rechtzeitig wieder vergleichst.

Strom und Gas beim Umzug
Ziehst du um, ist das der einfachste Zeitpunkt für einen neuen Anbieter, denn du kannst ihn für die neue Wohnung frei wählen. Du brauchst dafür zwei Verträge: einen Liefervertrag mit dem Anbieter deiner Wahl und einen Netznutzungsvertrag mit dem Netzbetreiber. Schließ zuerst den Liefervertrag ab und melde dich dann beim Netzbetreiber an. Nur wenn beide Verträge rechtzeitig da sind, wirst du schon ab dem Einzug vom Anbieter deiner Wahl beliefert. Notiere beim Einzug die Zählerstände oder lass sie vom Netzbetreiber ablesen.
Beim Auszug musst du ebenfalls an beide denken: den Liefervertrag beim Anbieter kündigen, mit einer Frist von zwei Wochen, und den Netzbetreiber informieren. Sonst zahlst du womöglich den Verbrauch deines Nachmieters.
Der Rat zum Schluss: Vergleiche einmal im Jahr, am besten gleich nach der Jahresabrechnung, wenn du deinen Verbrauch ohnehin vor dir hast. Beim Gas lohnt sich das besonders, weil ein großer Teil der Ersparnis aus Rabatten für das erste Jahr kommt. Der Aufwand ist klein, der Wechsel ist kostenlos, und es ist Geld, das sonst einfach liegen bleibt.

Quellen: E-Control: Tarifkalkulator (Abfrage 12.10.2026, 1100 Wien, Strom 3.500 kWh), Preismonitor Strom und Gas 1. Oktober 2026, Einfach wechseln, Einfach übersiedeln, Laufzeit und Kündigung, Rücktrittsrecht, Recht auf Widerspruch bei Preisänderung, Insolvenz eines Anbieters, Auffangversorgung, Was ist neu 2026; RIS: Elektrizitätswirtschaftsgesetz; Wechselzahlen 2025 der E-Control (APA, 04.02.2026); Parlamentskorrespondenz zur Liberalisierung. Stand: Oktober 2026.
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Hinweis: Diese Seite gibt allgemeine Informationen und die eigene Meinung des Autors wieder. Sie ist keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter oder Tarif. Preise ändern sich laufend; maßgeblich sind das aktuelle Angebot und die Lieferbedingungen des Anbieters.


