In den USA liegt die Inflation bei 3,7 Prozent, in Österreich bei 3,6 Prozent. Bei den Zwischenwahlen am 3. November haben die Republikaner von Präsident Donald Trump die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses verloren, und die Teuerung spielte dabei eine zentrale Rolle. Wie kann eine Inflation, die weit unter den acht Prozent liegt, die die USA 2022 hatten, so viel Gewicht bekommen? Und wie läuft die Debatte in einem Land mit fast derselben Teuerung?
Warum 3,7 Prozent so schwer wiegen
Der Arbeitsmarkt in den USA ist robust, der Aktienmarkt solide. Trotzdem waren laut einer Befragung der Nachrichtenagentur AP drei Viertel der Wähler mit der Wirtschaft unzufrieden, und als größtes Problem nannten die meisten die steigenden Preise.
Ein robuster Arbeitsmarkt und solide Börsen helfen Haushalten mit knappem Budget wenig, sagen manche. Wer zwar Arbeit habe, sich vom Lohn aber weniger leisten könne als vorher, habe wenig davon. Und wer beim Tanken rechnen müsse, besitze auch kein Aktiendepot, das von steigenden Kursen profitiert.
Einen Teil erklärt die Wirtschaftspsychologie: Höhere Ausgaben für den täglichen Bedarf nehmen Menschen besonders stark wahr. Außerdem bildet die Inflationsrate nicht alles ab. Der US-Verbraucherindex erfasst die Preise in Städten und Ballungszentren, nicht auf dem Land. Dort fehlen oft U-Bahn und Busse, weshalb höhere Preise für Benzin und Diesel laut der New Yorker Regionalbank der US-Notenbank schon in der Inflationskrise 2022 stärker durchschlugen. Im ländlich geprägten US-Bundesstaat Kansas kostet Diesel um 70 Prozent mehr als vor Beginn des Iran-Kriegs. Eine Familie dort hat laut einem Onlinerechner von NBC seit Februar im Schnitt 750 Dollar mehr für Sprit ausgegeben als im Vorjahr. Kreditzinsen sind im Index gar nicht enthalten, obwohl die hohe Inflation die langfristigen Zinssätze steigen ließ: Ein typischer US-Haushalt zahlt laut der Ratingagentur Moody’s seit dem Frühjahr 540 Dollar mehr Zinsen für Hypothekarkredite.

Nur das Geld?
Haben die Preise also den Ausschlag gegeben? Viele glauben das und empfinden es als Armutszeugnis: Skandale und ein Krieg hätten Trump wenig anhaben können, erst das teure Benzin habe ihn Stimmen gekostet. Andere halten diese Erklärung für zu einfach. Sie meinen, die Wähler hätten Trump als Politiker satt gehabt und die Inflation sei nur der Anlass gewesen. Der Politologe Reinhard Heinisch nennt die Sorge um den Zustand der US-Demokratie und die Wut über Korruption als zweitwichtigsten Grund für den Sieg der Demokraten.
Warum geben viele Trump die Schuld an einer Teuerung, die niedriger ist als die von 2022 unter Joe Biden? Eine Antwort sieht den Unterschied in der Ursache: Die Teuerung nach Corona habe fast jedes Land getroffen, die heutige habe Trump mit seinen Zöllen und dem Iran-Krieg selbst herbeigeführt.
Und in Österreich?
Im Euroraum liegt die Inflation aktuell bei vier Prozent, in Österreich laut Schnellschätzung der Statistik Austria im Oktober bei 3,6 Prozent. Das Ziel der Europäischen Zentralbank sind zwei Prozent. Der Chefökonom der Arbeiterkammer, Matthias Schnetzer, rechnet für September vor, dass der Iran-Krieg über Treibstoffe und Heizöl die Inflation um 1,3 Prozentpunkte erhöht hat, das ist rund ein Drittel der Teuerung.
Auch in Österreich erwarten viele, dass die hohe Teuerung den Regierungsparteien schadet. Manche finden es seltsam: In den USA hätten die Wähler Trumps Partei abgestraft, hier, wo ein Teil der Teuerung ebenfalls von Trumps Krieg im Iran komme, liege dagegen mit der FPÖ eine Partei in Umfragen vorne, deren Chef Herbert Kickl im September 2025 sagte, er habe für einige Dinge in Trumps Politik „große Sympathie“, sehe sich aber nicht als dessen Anhänger. Eine Umfrage des Market-Instituts sah die FPÖ im Juli bei 38 Prozent.
Die Regierung hat bereits die Spritpreisbremse erweitert, in die Mieten eingegriffen und einen Sozialtarif für Strom eingeführt. Manchen sind die bisherigen Maßnahmen zu wenig, sie wünschen sich weitere Eingriffe in die Preise. Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, Gabriel Felbermayr, hält es für richtig, dass die Regierung Maßnahmen gesetzt hat, warnt aber, Preiseingriffe könnten negative Folgen haben. Ein Vorschlag setzt bei der Indexierung an: Mieten, Versicherungsprämien und teils auch Kontogebühren steigen oft automatisch mit dem Verbraucherpreisindex, und das treibe die Inflation selbst weiter an.
Wohin führt das?
Manche hoffen auf Entspannung auch für Europa: Enden die Zölle, entspannt sich die Lage für europäische Firmen, endet der Iran-Krieg, könnten die Energiepreise sinken. Ob Österreich zurück zu zwei Prozent findet und wer bei der nächsten Nationalratswahl die Rechnung für die hohe Teuerung bekommt, ist offen.
Quellen: derStandard.at (Inflation), derStandard.at (Umfrage), derStandard.at (US-Wahl), ORF.at (Inflation), ORF.at (Kickl), SN.at
Stand: 05.11.2026
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