Zuletzt aktualisiert: 17.10.2026
Österreich hat 2025 Waren um rund 190 Milliarden Euro ins Ausland verkauft, das sind rund 20.600 Euro pro Einwohner. Fast jeder dritte Euro davon kam von Kunden in Deutschland. Handel ist wichtig, er bringt die Wirtschaft erst zum Leben. Auch wenn viele Österreich gern als Insel der Seligen sehen: Ein kleines Land lebt vom Austausch mit anderen, und das gilt auch für die vielbejubelte Schweiz, die oft als unabhängig und frei bezeichnet wird. Diese Seite erklärt, was Außenhandel ist, warum ein kleines Land handeln muss, mit wem Österreich handelt, was es verkauft und kauft, wie sich die Exporte entwickelt haben und was passiert, wenn sie einbrechen.
Inhalt
Was Außenhandel ist
Außenhandel ist alles, was ein Land mit dem Ausland kauft und verkauft. Exporte sind Waren und Dienstleistungen, die ins Ausland gehen, Importe sind jene, die aus dem Ausland kommen. Der Unterschied zwischen beiden heißt Handelsbilanz. Verkauft ein Land mehr Waren, als es kauft, hat es einen Überschuss, sonst ein Defizit. 2025 hat Österreich Waren um rund 197 Milliarden Euro importiert und um rund 190 Milliarden Euro exportiert, die Handelsbilanz war also mit gut 7 Milliarden Euro im Minus. Das ist für Österreich nichts Ungewöhnliches, bei den Waren wird über die Jahrzehnte meist etwas mehr ein- als ausgeführt.

Zum Außenhandel zählen aber auch Dienstleistungen. Macht ein Gast aus Deutschland in Tirol Urlaub, ist das für Österreich ein Export, auch wenn dabei nichts über die Grenze geliefert wird. Gäste aus dem Ausland haben 2024 rund 21 Milliarden Euro in Österreich ausgegeben. Dazu kommen Transport, Technik, Beratung und viele andere Leistungen. Rechnet man Waren und Dienstleistungen zusammen, hat Österreich 2024 um rund 12 Milliarden Euro mehr ins Ausland verkauft als von dort gekauft.
Warum ein kleines Land handeln muss
Ein kleines Land kann nicht alles selbst herstellen, was es braucht, und es kann nicht alles, was es herstellt, selbst verbrauchen. Österreich hat kaum eigenes Erdöl und Erdgas, viele Rohstoffe und Vorprodukte kommen von außen. Umgekehrt bauen österreichische Betriebe Maschinen, Motoren oder Spezialteile in Stückzahlen, die der heimische Markt mit gut neun Millionen Einwohnern nie abnehmen könnte. Erst der Verkauf in die ganze Welt macht sie groß und sichert die Arbeitsplätze. Deshalb entsprechen die Exporte von Waren und Dienstleistungen in Österreich mehr als der Hälfte der Wirtschaftsleistung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Die Schweiz zeigt, dass auch ein Land, das oft als unabhängig gilt, ohne Handel nicht auskommt. Sie hat 2024 Waren um rund 283 Milliarden Franken exportiert, rund die Hälfte davon Chemie und Pharma, und mehr verkauft als gekauft. Ihr wichtigster Absatzmarkt ist mit großem Abstand die EU, das wichtigste einzelne Abnehmerland sind die USA. Unabhängig ist ein kleines Land also nicht, wenn es wenig handelt, sondern wenn es viele Kunden in vielen Ländern hat.
Mit wem Österreich handelt
Rund zwei Drittel des österreichischen Außenhandels laufen innerhalb der EU. Der EU-Binnenmarkt, also der gemeinsame Markt ohne Zölle und Grenzkontrollen für Waren, ist für Österreich der wichtigste Handelsraum. Der mit Abstand wichtigste Partner ist Deutschland: Von 100 Euro Warenexport gingen 2025 rund 29,50 Euro dorthin. Danach folgen die USA mit rund 6,80 Euro, Italien mit 6,60 Euro und die Schweiz mit rund 5,20 Euro, dann die Nachbarn im Osten wie Polen, Tschechien und Ungarn.

Bei den Importen ist Deutschland ebenfalls die Nummer eins, die Nummer zwei ist China. Mit China hat Österreich auch das größte Defizit: 2025 kaufte es dort um rund 12,5 Milliarden Euro mehr, als es dorthin verkaufte. Den größten Überschuss hatte Österreich mit den USA. Diese Verteilung zeigt, wie eng Österreich mit Europa verflochten ist. Läuft es in Deutschland gut, profitieren viele österreichische Betriebe, und läuft es dort schlecht, spürt Österreich das bald danach.
Was Österreich verkauft und kauft
Am meisten exportiert Österreich Maschinen und Fahrzeuge, 2025 um rund 71 Milliarden Euro, das ist über ein Drittel aller Warenexporte. Dazu gehören Motoren, Getriebe, Anlagen, ganze Fahrzeuge und viele Teile, die in Autos und Maschinen anderer Länder eingebaut werden. Danach folgen bearbeitete Waren wie Stahl, Papier und Metallprodukte mit rund 38 Milliarden Euro, chemische Erzeugnisse einschließlich Arzneimitteln mit rund 30 Milliarden Euro und sonstige Fertigwaren mit rund 19 Milliarden Euro. Diese vier Gruppen machen über 80 Prozent der Warenexporte aus.

Bei den Importen sind Maschinen und Fahrzeuge ebenfalls die größte Gruppe, denn vieles, was in Österreich weiterverarbeitet wird, kommt als Vorprodukt aus dem Ausland. Eine Schwachstelle ist die Energie: Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas hat Österreich 2025 um rund 12,6 Milliarden Euro importiert. Steigen die Preise für Energie am Weltmarkt, zahlt Österreich mehr für seine Importe, und das treibt auch die Inflation im Inland.
Wie sich die Exporte entwickelt haben
Seit dem EU-Beitritt 1995 sind die österreichischen Exporte stark gewachsen. Im Jahr 2000 lagen die Warenexporte bei rund 70 Milliarden Euro, 2010 bei rund 109 Milliarden Euro und 2023 mit rund 201 Milliarden Euro auf ihrem bisherigen Höchststand. Die Öffnung Osteuropas und der Binnenmarkt haben neue Kunden direkt vor der Haustür gebracht.

Der Weg nach oben war aber nicht gerade. In der Finanzkrise brachen die Warenexporte 2009 um rund ein Fünftel ein, auf rund 94 Milliarden Euro. 2020 sanken sie mit der Corona-Krise erneut, und nach dem Rekord von 2023 gingen sie in den beiden Jahren danach wieder zurück, weil die Industrie in Europa schwächelte. Die Exporte sind also ein guter Gradmesser für die Konjunktur: Sie reagieren früh und stark, wenn sich die Lage bei den wichtigsten Handelspartnern ändert.
Was passiert, wenn die Exporte einbrechen
Ein Einbruch der Exporte trifft zuerst die Betriebe, die ins Ausland liefern. Die Aufträge gehen zurück, die Produktion wird gedrosselt, es folgen Kurzarbeit und Kündigungen. Dann trifft es die Zulieferer, die Transportunternehmen und die Dienstleister rund um die Industrie. Wer weniger verdient oder um seinen Job bangt, gibt weniger aus, und so wandert die Schwäche weiter in den Handel und in andere Branchen. Der Staat nimmt weniger Steuern ein und muss gleichzeitig mehr für Arbeitslosigkeit ausgeben.

Wie groß die Beträge sind, zeigt ein Rechenbeispiel: Gehen die Warenexporte von rund 190 Milliarden Euro um 10 Prozent zurück, fehlen den Betrieben 19 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, umgerechnet rund 2.000 Euro pro Einwohner. Dass das keine Theorie ist, zeigt das Jahr 2009: Die Exporte fielen um rund ein Fünftel, und die Wirtschaft schrumpfte um 3,6 Prozent, damals der stärkste Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Am stärksten betroffen sind die Industrieregionen, zuletzt bei der Industrieschwäche ab 2023 vor allem Oberösterreich und Kärnten.
Was das für dich heißt
Der Einzelne kann den Außenhandel nicht beeinflussen, aber wer sich für Wirtschaft interessiert, sollte ihn verstehen. Wer weiß, wie stark Österreich vom Export lebt, versteht Nachrichten über Zölle, über die deutsche Autoindustrie oder über Energiepreise besser und kann einschätzen, was sie für Arbeitsplätze, Preise und die eigene Region bedeuten, denn Österreichs Wirtschaft hängt in vielen Branchen am Ausland.

Wer in der Industrie oder bei einem Zulieferer arbeitet, muss sich bewusst sein, dass ein Einbruch im Ausland mit wenigen Monaten Verzögerung im eigenen Betrieb ankommen kann, und hält deshalb einen Notgroschen bereit. Für die Geldanlage gilt dasselbe wie für die Wirtschaft eines kleinen Landes: Wer seine Anlage über viele Länder verteilt, etwa mit einem breit gestreuten ETF, hängt nicht an einem einzigen Markt.
Der Rat zum Schluss: Schau einmal im Jahr, wenn im März die Außenhandelszahlen des Vorjahres erscheinen, wie sich die Exporte und die wichtigsten Handelspartner entwickeln, und frag dich, wie stark dein eigener Job und deine Region davon abhängen.
Quellen: Statistik Austria: Österreich 2025 mit negativer Handelsbilanz (9.3.2026) und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen 2024; WKO: Warenexporte nach Ländern (Daten Statistik Austria); Statistik Austria: Außenhandel-Langzeitreihe ab 1980 (Stand 15.10.2026); Eurostat: BIP-Wachstum; economiesuisse: Schweizer Aussenhandel 2024. Stand: Oktober 2026.

Weiterlesen: Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas hat Österreich 2025 um rund 12,6 Milliarden Euro importiert, die Energie ist damit eine Schwachstelle im Außenhandel. Woher die Energie in Österreich kommt und wofür sie gebraucht wird, ist ein eigenes Thema. Dort steht auch, wie der Preis entsteht.
Hinweis: Diese Seite erklärt den Außenhandel allgemein und ersetzt keine Beratung. Die Zahlen werden jährlich neu erhoben und sind gerundet; das Rechenbeispiel verwendet Beispielwerte.


