# Wien Energie und die Stromfutures

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- Published: 2022-09-04T20:11:45+02:00
- Author: finanzgeier

Am 26.08.2022 wurde bekannt, dass Wien Energie Ihren eingegangenen Verpflichtungen
an der Strombörse nicht mehr nachkommen kann. Das Unternehmen hat die Politik um
Hilfe gebeten. Und die kam auch: Nach einem Krisengipfel am 28.8. im Bundeskanzleramt
kamen von der Stadt Wien 700 Mio. Euro und in der gleichen Woche stand fest, dass
bei Bedarf 2 Mrd. Euro vom Bund abgerufen werden können. Eine erste Unterstützung,
von der niemand wusste, gab es bereits vom Wiener Bürgermeister am 15.7. in einer
Höhe von 700 Mio Euro. Insgesamt ein Hilfspaket über 3,4 Mrd. Euro. Wie kann es 
zu so einer Situation kommen?

Strom wird mit Futures an Terminbörsen gehandelt. Damit lassen sich zukünftige Geschäfte
abschließen, Preise fixieren und für Unternehmen Planungssicherheit herstellen. 
Wichtig dabei ist die Einhaltung der eigenen Handelsregeln, da die Futures auch 
für Spekulationen genutzt werden können und sich durch die Hebelwirkung, die dieses
Produkt beinhaltet schnell viel Geld bewegen und dadurch auch verlieren lässt.

Im Jahr 2021 wurde an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig, der führenden
Strombörse in Europa, ein Gesamtvolumen in der Höhe von 7.406 TWh gehandelt. Die
nächste Grafik zeigt am Beispiel eines langfristigen Futures im Zeitraum von 21.07.-
02.09.2022 den extremen Preisausschlag vom 26.8. mit einem Spitzenpreis von € 1.015.

![2022 09 04 Chart Stromfuture](https://www.finanzgeier.at/wp-content/uploads/2022/
09/2022-09-04-Chart-Stromfuture.jpg "Wien Energie und die Stromfutures 1")

Wien Energie bestreitet Risikogeschäfte eingegangen zu sein und gibt an von einem
Spekulationsverbot zu unterliegen. Sie hätten im Sinne einer zuverlässigen Energieversorgung
gehandelt und machen massive Marktverwerfungen für die Situation verantwortlich.

Tatsächlich ist die derzeitige Strompreissituation außergewöhnlich. Momentan kommen
zu dieser angespannten Lage auch noch andere belastende Faktoren hinzu. Die Stromproduktion
in Österreich und Europa sinkt generell durch die Atomstromreduktion von Deutschland
und Frankreich. Auch die häufigere Trockenheit sorgt für einen internationalen Rückgang
der Stromernte durch Wasserkraft. So hat in Österreich der Verbund, als größter 
Produzent durch die Donaukraftwerke, heuer etwa 10 % weniger Ertrag durch seine 
Wasserkraftwerke, was wiederum höhere Importe und mehr Produktion durch Gaskraftwerke
nach sich zieht. Da der Gaspreis ebenfalls in lichte Höhen klettert, zieht das auch
den Strompreis nach oben.
Die folgenden Grafiken zeigen die langfristige Entwicklung
des österr. Strompreisindex seit 2004 und die Bruttostromerzeugung in Österreich
2021.

![2022 09 04 Chart Strompreisindex Oesterreich](https://www.finanzgeier.at/wp-content/
uploads/2022/09/2022-09-04-Chart-Strompreisindex-Oesterreich.jpg "Wien Energie und
die Stromfutures 2")

![2022 09 04 Diagramm Bruttostromerzeugung in Oesterreich 2021](https://www.finanzgeier.
at/wp-content/uploads/2022/09/2022-09-04-Diagramm-Bruttostromerzeugung-in-Oesterreich-
2021.jpg "Wien Energie und die Stromfutures 3")

Strom als wichtiges Infrastrukturgut muss besser vor solchen Situationen geschützt
werden. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ein Nichtfunktionieren des
Strommarktes eingestanden. Deutschland hat bereits einen Schutzschirm für Energieunternehmen
beschlossen, während ähnliches in Österreich noch fehlt. Den entstandenen Imageschaden
für Wien Energie, die gesamte Branche und die Terminmärkte wieder gut zu machen 
ist eine wichtige Aufgabe, noch wichtiger wird es allerdings Regulierungen zu schaffen,
um nicht nur die Versorgungssicherheit weiter zu gewährleisten, sondern auch für
Leistbarkeit und Preisstabilität im Sinne der Verbraucher zu sorgen.

Links:
[Wien Energie](https://www.wienenergie.at/)[Börse EEX](https://www.eex.com/de/?health=varnish02&cHash=b44f2ff0359bc2ae2cde3bcc1892ba17)
[Österreichs Energie](https://oesterreichsenergie.at/)
