# Russisches Gas über die USA: Hilft der Plan gegen den hohen Gaspreis?

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- Veröffentlicht: 2026-11-08T12:20:33+01:00
- Autor: finanzgeier

Rund 30 Euro kostete eine Megawattstunde Gas im Großhandel zu Jahresbeginn. Am 28.
Oktober stieg der Preis am Handelsplatz TTF kurzzeitig über 100 Euro, erstmals seit
2022. Beobachter warnen vor bis zu 180 Euro, das wäre sechsmal so viel wie im Jänner.
Aus Washington kommt nun ein Vorschlag, der die Lage entspannen soll: Gas aus Russland.

## Was die USA vorschlagen

Laut „Wall Street Journal“ haben die US-Unterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff
Moskau angeboten, den Weg für Gasexporte nach Europa zu öffnen, falls ein Friedensabkommen
mit der Ukraine zustande kommt. Eine US-Gesellschaft würde das Gas in Russland kaufen,
damit es ohne Verletzung der europäischen Sanktionen in die EU gelangen könnte. 
Fließen soll es über die Ukraine. Diese Leitung ist seit Jänner 2025 stillgelegt,
und ob sie noch funktioniert, ist laut dem Energieexperten Christoph Dolna-Gruber
unklar.

Hinter dem hohen Preis steht vor allem der Iran-Krieg. Durch die Blockade der Straße
von Hormus kommt kaum noch Flüssiggas (LNG) aus Katar und den Emiraten auf den Weltmarkt,
rund 20 Prozent der weltweit gehandelten Menge fielen weg. Zwei Drittel davon gleichen
laut Internationaler Energieagentur inzwischen vor allem US-Unternehmen aus, der
Rest fehlt weiterhin. Dazu kommt laut Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung, dass viele Versorger in Europa mit dem Füllen der Speicher
gewartet haben, weil sie auf sinkende Preise hofften. Österreichs Speicher waren
Ende Oktober zu 67,8 Prozent gefüllt, ein Jahr davor zu 84,1 Prozent.

![Balkendiagramm Gaspreis im Großhandel in Euro je Megawattstunde: vor dem Angriff
auf die Ukraine rund 20 Euro, Höchststand 2022 kurzzeitig fast 340 Euro, Jahresbeginn
2026 rund 30 Euro, Anfang September 2026 70 Euro, 28. Oktober 2026 kurzzeitig über
100 Euro, Warnung für den Winter bis zu 180 Euro.](https://www.finanzgeier.at/wp-
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Hilft der Plan gegen den hohen Gaspreis? 1")

## Warum der Umweg über Russland?

Viele fragen sich, warum nicht bei der Ursache angesetzt wird. Den Krieg gegen den
Iran führen die USA gemeinsam mit Israel, und solange die Straße von Hormus blockiert
ist, fehlt das Gas aus dem Nahen Osten. Wäre ein Ende dieses Krieges nicht der kürzere
Weg zu niedrigeren Preisen? Fachleute zweifeln ohnehin, ob russisches Gas billiger
käme: Solange Mengen fehlen, bliebe der Weltmarktpreis hoch und damit auch der Preis
für Gas aus Russland.

Auch der Umweg selbst wirft Fragen auf. Manche meinen: Wollte Europa wieder russisches
Gas, könnte es das auch ohne die USA entscheiden. Sie sehen in der US-Gesellschaft
vor allem einen Zwischenhändler, der einen Aufschlag verlangen würde. Die EU hat
sich jedenfalls auf einen Ausstieg festgelegt: Im Jänner beschlossen die Mitgliedstaaten
mit 24 von 27 Stimmen, russisches Gas bis spätestens Ende 2027 vollständig zu verbieten.
Wie der US-Plan damit vereinbar wäre, ist offen.

Manche sehen in jeder Zahlung für russisches Gas Geld für den Krieg gegen die Ukraine.
Die Ukraine selbst hat den Transit mit 1. Jänner 2025 beendet, um Russland keine
Einnahmen mehr für den Krieg zu verschaffen. Wie passt eine Leitung über die Ukraine
dazu?

Widersprüchlich wirkt der Vorschlag auf viele auch deshalb, weil gerade US-Unternehmen
vom hohen Gaspreis profitieren, den der Plan senken soll. Wie verlässlich ist ein
Partner, der einen großen Teil der LNG-Lücke füllt und gleichzeitig russisches Gas
anbietet?

## Was der Gaspreis in Österreich auslöst

Den Strompreis bestimmt nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip das teuerste eingesetzte
Kraftwerk, derzeit meist ein Gaskraftwerk. Ein hoher Gaspreis trifft damit auch 
jene, die gar nicht mit Gas heizen, und viele befürchten, dass er die Teuerung antreibt.
Laut E-Control dürfte der Gaspreis auch 2027 und 2028 auf höherem Niveau bleiben.

Die meiste Zustimmung findet die Forderung, Erneuerbare und Speicher rasch auszubauen
und so vom Gas unabhängig zu werden. Dafür müsse auch der Widerstand gegen Windräder
in der eigenen Gegend enden. Andere halten dagegen, Wind und Sonne lösten das Speicherproblem
nicht, Gaskraftwerke blieben als Reserve nötig.

Beim Sparen kommen die Länder unterschiedlich weit: Finnland hat seinen Gasverbrauch
gegenüber der Zeit vor der Krise um 41 Prozent gesenkt, Österreich und Deutschland
um rund 13 Prozent. Warum spart Österreich so viel weniger Gas als Finnland?

Manche meinen gar, erst hohe Preise brächten die Politik zum Umsteuern. Muss es 
aber eine Krise sein, die vor allem Haushalte und Betriebe bezahlen? Und was, wenn
vorher doch wieder russisches Gas fließt?

Für einen Preis von 30 bis 40 Euro bräuchte es laut Kemfert einen milden Winter,
ein Ende des Krieges in Nahost und stabile Partner in den USA. Der US-Vorschlag 
hängt an einem Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine, das es noch nicht
gibt. Ob Europa so lange warten kann, ist offen.

Quellen: [derStandard.at](https://www.derstandard.at/story/3000000347542/wie-kommt-die-eu-aus-der-gaskrise-mit-gas-aus-russland-meinen-die-usa),
[energie.gv.at (Merit-Order)](https://energie.gv.at/glossary/merit-order-prinzip),
[ORF.at (Gaspreis)](https://orf.at/stories/3446432/), [ORF.at (Gasspeicher)](https://orf.at/stories/3439740/),
[ORF.at (Importverbot)](https://orf.at/stories/3418252/), [ORF.at (Transitende)](https://orf.at/stories/3380467/),
[SN.at (E-Control)](https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/e-control-gas-versorgung-stabil-preise-beunruhigend-art-682221)

Stand: 08.11.2026

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